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Musical Chicago in Berlin

BurnOut – Ein neues Musical voller Intensität

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ja, man kann darüber ein Musical machen, wie ein eben noch erfolgreicher und glücklicher Mensch, von allen Seiten mit Dauer-Überlastung konfrontiert, ernstlich erkrankt und sich aus diesem Zustand wieder herauskämpft. Es ist nicht verwerflich, bei einem Musical mit dem Titel „BurnOut“ zunächst skeptisch zu sein. Letztlich jedoch erzählt auch dieses Stück – so wie viele nicht hinterfragte Klassiker oder andere der neuen Musicals – von Menschen und ihren Beziehungen im Kontext der gesellschaftlichen Umstände.

Und der Erfolg der ersten Aufführungen von „BurnOut“, nach vierjähriger Entwicklungszeit vom 9. bis 11. Oktober 2015 in Berlin erstmals auf die Bühne gebracht, gibt der Autorin Sabine Haydn und dem Komponisten Jens Uhlenhoff Recht. Mehr noch, mit Standing Ovations feierte das Publikum nicht nur die Premierenvorstellung, sondern sämtliche Berliner Aufführungen – begleitet von zahlreichen positiven Reaktionen und Achtungsbekenntnissen an das Kreativteam und die Darsteller.

BurnOut Das Musical
BurnOut Das Musical – Szene „In der Agentur“. V.l.: Veit Schäfermeier („Clemens“), Miriam Pielhau („Anna“), Michaela Duhme („Daniela“), Thomas Klotz („Ben“), ©Karsten Noack

Bis Ende Oktober können sich die Zuschauer in Emmendingen, Mannheim und Wien ein eigenes Bild machen und ein intensives Stück voller Emotionen und mit gerade schauspielerisch herausragenden Leistungen erleben. Vor allem Thomas Klotz brilliert in seiner Rolle, in der sich „Ben“ vom glücklichen Ehemann und künftigen Vater, zudem noch kreativer Kopf einer erfolgreichen Werbeagentur, zum gestressten, überforderten und einer nicht zu stoppenden Krankheit hilflos ausgelieferten, kraftlosen Wrack wandelt. Gesanglich wie schauspielerisch zieht er das Publikum überzeugend mit in den übermächtigen dunklen Strudel.

Auch Sven Prüwer, der am 10. Oktober in Berlin für den verhinderten Veit Schäfermeier spielte, war vor allem in seiner Rolle als zunächst aufgeräumt-kumpeliger, dann eiskalter Agenturchef Clemens grandios. Wer in seinem Berufsleben solche Menschen schon erlebt hat, der konnte diesen „Clemens“ nur mit den Augen durchbohren und aus tiefstem Herzen hassen. Veit Schäfermeier in dieser Rolle wird man vermutlich an die Gurgel springen wollen. Und nach dem Knurren im Publikum zu urteilen, ließ Sven Prüwer wohl eine vielen wohlbekannte Person überzeugend auferstehen.

BurnOut Das Musical
BurnOut Das Musical – Szene „Miteinander Wachsen“. Michaela Duhme („Daniela“) und Sven Prüwer („Clemens“), ©Karsten Noack

Für gelegentliches Aufstöhnen im Saal sorgte auch eine gewisse „Daniela“, ebenfalls hervorragend gespielt von Michaela Duhme. Diese kommt frisch von der Uni, hat ihrer Überzeugung nach die Weisheit mit Löffeln gefressen und walzt die Agentur, deren Mitarbeiter, alle Kreativität und eben Ben platt. Die Zuschauer werden nun Zeuge, wie dazu noch Herausforderungen mit dem neugeborenen Sohn, mit verständnislosen Eltern (ebenfalls Prüwer/Schäfermeier und Duhme), Überstunden, Medikamenten und Schlaflosigkeit zum Zusammenbruch führen.

Miriam Pielhau als Bens Frau hingegen nimmt man nicht so intensiv wahr wie ihre Kolleginnen und Kollegen – was seinen Grund hat, der erst nach und nach klar wird. Dafür ist sie als Bens Agenturkollegin Anna umso präsenter. Gesanglich kann sie neben ausgebildeten, erstklassigen Musicaldarstellern nicht bestehen, doch sollte man der Tatsache, dass sie die Rolle erst irgendwann nach dem Reading im November 2014 für Goele De Raedt übernahm, Respekt zollen. Und auch wenn man sie vor allem als Moderatorin, Autorin und Schauspielerin kennt, so kann sie doch mit einer mehrjährigen Gesangsausbildung aufwarten.

Im Programmheft wendet sich die Autorin Sabine Haydn an die Zuschauer: „Wir würden uns wünschen, dass […] Sie zu Ihren Freunden und Bekannten gehen und von uns erzählen. Denn nur so können wir weiterspielen – wenn es Menschen wie Sie gibt, die Offstücke mit dem gezahlten Eintrittsgeld unterstützen und damit die Theaterwelt bereichern.“ Diesen Worten schließen wir uns an und empfehlen die kommenden Spieltermine vom 24. bis 25. Oktober im ZfP Emmendingen, am 26. Oktober im Capitol Mannheim und vom 29. bis 30. Oktober 2015 im Wiener Theater Akzent.

Weitere Informationen und Tickets: burnoutdasmusical.com

Darsteller:

Ben: Thomas Klotz
Rebecca/Anna: Miriam Pielhau
Clemens/Vater/Arzt: Veit Schäfermeier
Cover Clemens/Vater/Arzt: Sven Prüwer
Daniela/Mutter: Michaela Duhme

Band:
Dominik Fürstberger, Jonathan Sells, Marcello Cassese

Kreativteam:

Buch: Sabine Haydn
Musik: Jens Uhlenhoff
Regie: Shomas Molej
Regieassistenz: Helena Scheuba
Special Effect: Thomas Haydn
Tontechnik: Hannes Mutter
Lichttechnik: Jens Rettig

Rezensierte Vorstellung:
10. Oktober 2015, Berlin, Imperial im Admiralspalast

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke