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Musical Chicago in Berlin

Dernière Tanz der Vampire Oberhausen – Matinee

Das Metronom Theater, das Publikum und die Fans des Musicals verabschiedeten ihre Oberhausener Cast am 31. Januar 2010 nach Stuttgart.

Während draußen schon die Sattelschlepper zum Abtransport der Kulissen bereitstanden, die ersten Kulissenteile ungerührt bereits während der laufenden letzten Vorstellung verladen und Werbeplakate ausgetauscht wurden, würdigte im Saal das Publikum die Leistungen der Cast mit Beifallsstürmen, Standing Ovations, Rosenregen und Knicklichtern. Obwohl sich schon bald im Stuttgarter Palladium der Vorhang wieder hebt, flossen bei den Zuschauern sowie auf und hinter der Bühne Tränen der Rührung und des Abschieds.

Plakat Derniere Tanz der Vampire Oberhausen
Abschiedsbanner des Fanclubs, ©musicalszene.de/H. Gröschke

Der Offizielle Tanz der Vampire Fanclub hatte die Un-Möglichkeiten, die das Theater den Fans für Aktionen gelassen hatte, voll ausgeschöpft: Neben den erwähnten Rosen und Knicklichtern wurden den Cast-Mitgliedern Abschiedsgeschenke mit persönlichen Grußbotschaften übermittelt. Am Zaun gegenüber der vom Theater abgesperrten Stagedoor war ein großes Abschiedsbanner angebracht, das vor der letzten Show mit Grablichtern komplettiert wurde. Auf dem Transparent bedankten sich die vor Ort anwesenden Fanclub-Mitglieder namentlich bei ihren Darstellern für die Oberhausener Zeit.

Jerzy Jeszke und Linda Konrad nahmen die Einladung des Fanclubs an die Cast zur Abschiedsparty am Vorabend an und saßen bis spät in die Nacht mit den Fans zusammen. Am letzten Tag der Vampire in Oberhausen erschienen vor, zwischen und nach den Shows immer wieder Darsteller an der Stagedoor, um mit den in der Kälte ausharrenden Fans noch ein paar Worte zu wechseln, zum letzten Mal an diesem Ort Autogramme zu geben und Fotowünsche zu erfüllen. Besonders Kevin Tarte, Riccardo Greco und noch spät in der Nacht auch Jan Ammann nahmen sich sehr viel Zeit, waren geduldig und freundlich wie immer und taten alles, um niemanden enttäuscht gehen zu lassen.

Vom gigantischen Schlussapplaus am Abend abgesehen, war die Matinee die weitaus stimmungsvollere der beiden Abschieds-Vorstellungen.

Die Besetzung der Matinee:

Graf von Krolock: Kevin Tarte
Sarah: Sabrina Auer
Professor Abronsius: Sven Prüwer
Alfred Riccardo Greco
Chagal: Jerzy Jeszke
Magda: Linda Konrad
Herbert: Florian Fetterle
Koukol: Stefan Büdenbender
Rebecca: Eva-Maria Bender

Tanzsolisten:
David Baranya, Kym Boyson, Csaba Farago, Ross McDermott

Gesangssolisten:
Michel Driesse (Nightmare-Solo 1), Vanni Viscusi (Nightmare-Solo 2)

Tanzensemble:
Amanda Huke, Paul Knights, Veronique Spiteri, Lucas Theisen, Samantha Turton, Gemma West

Gesangsensemble:
Janaina Bianchi, Sandra Bleicher, Senta-Sofia Delliponti, Kevin Hudson, Raphaela Pekovsek, Michaela Schober, Matthias Stockinger, Johan Vandamme

Orchester des Metronom Theaters
Dirigent: Marcos Padotzke

Auch wenn es ungerecht ist, einzelne aus der gesamten Riege der großartigen Darsteller hervorzuheben: Neben einem sängerisch wie schauspielerisch abermals überragenden Kevin Tarte als Krolock waren die Helden dieser Vorstellung Riccardo Greco in der Rolle des Alfred, Sven Prüwer als Professor Abronsius und Florian Fetterle als Grafensohn Herbert.

Die Kenntnis der Handlung voraussetzend, beschränken wir uns auf Besonderheiten einzelner Szenen und Darsteller.

Während nach „Knoblauch“ Chagal den Professor und Alfred zum Zimmer führte, rief Jerzy Jeszke den beiden, die sich vom „Knoblauch“-Ensemble kaum lösen wollten, zu: „Haaallooo! Ringelpietz aus!“ Oben angekommen, wiederholte Professor Abronsius Sarahs „Ah-ah-ah“ dieses Mal ganz besonders lange in allerhöchsten und meckernden Tönen.

Als Chagal zu „Eine schöne Tochter ist ein Segen“ ansetzte, schmiss er das Bretter-Paket aus einer Höhe von ungefähr 1,50 Metern auf den Boden, was einen ordentlichen Rums gab. Der gefiel ihm wohl so gut, dass er die Nägel aus derselben Höhe gleich noch hinterher scheppern ließ. Das Ende seines Solos kostete er ausgiebig aus: „Ein Segen? Mmm, jaa, aaah, naaa, mhh, nnnja…“.

Bei „Nie geseh’n“ sangen und spielten alle Darsteller nach Herzenslust, und Rebecca schlug mit der Salami mit aller Kraft sechs oder sieben Mal auf Chagal ein, was im Publikum mit großer Heiterkeit verfolgt wurde. Nachdem ihr Ehemann schon längst friedlich im Bett lag, den Zipfel seiner Nachtmütze genau über dem Gesicht, schlug Rebecca zur Sicherheit noch einmal kräftig mit der Salami nach – und das mitten in den leisen Tönen, zu denen der Graf den Saal betritt. So klang es „Sei bereit!“ – rums.

Nach Kevin Tartes grandiosem „Gott ist tot“ folgte ein begeisternder Auftritt von Sven Prüwer in „Alles ist hell“, vor allem im Zusammenspiel mit Riccardo Greco. Alfred biss von einem Rettichstück ab, gerade als des Professors „wie und was und wer und wo und wann“ endete, so dass Abronsius seiner Entrüstung mit einem zusätzlichen „und … und“ Ausdruck verlieh: „Wie und was und wer und wo … und … und … und wann!“ Dann folgen die Schritte bis vor Alfred, bevor es weitergeht „Wenn in mir der Verdacht erwacht…“. An dieser Stelle musste Sven Prüwer ein Lachen unterdrücken, was dazu führte, dass er „Verdacht erwacht“ in hohen Tönen brüchig quietschte und das Publikum laut lachte. In der Fortsetzung des Liedes steigerte er seine Geschwindigkeit und Töne in nie gekannte Höhen, schob sein Becken nach links und rechts und ließ es anschließend ein paar Mal kreisen, so dass das Publikum hingerissen war, der Applaus lauter wurde und sich Begeisterungsschreie hinein mischten. Am Ende des Liedes zeigte Magda dann Alfred, wo der Hammer beziehungsweise das Messer hängt und drohte grinsend zweimal kurz mit der Messerspitze in Richtung von Riccardos Hüfte.

Zwischen Sarahs Traum vom Ball und dem „Gebet“ ist eine von zwei Glanzleistungen des Publikums erwähnenswert: Es spendete frenetischen Applaus für die „Rote Stiefel“-Tänzerinnen und Tänzer – an einer Stelle, an der normalerweise kein Applaus möglich ist, weil eine Szene in die andere übergeht. Dieser verebbte schlagartig im richtigen Augenblick: Kurz bevor der Gesang begann, war es wieder mucksmäuschenstill im Saal. Dasselbe gelang später noch einmal perfekt – im II. Akt, gegen Ende von „Carpe Noctem“. Auch hier erhielten die Tänzer einen spontanen, wohlverdienten Applaus, der genau im richtigen Moment endete und die leise Musik des beginnenden Morgens nicht störte. Zu applaudieren, wo es zwar angebracht wäre, aber eigentlich nicht möglich ist, und dennoch den Ablauf nicht zu stören – das kann nur ein Publikum, das jeden Ton der Musik und die Choreographie genau kennt. Das gelang – unabgesprochen und spontan – in beiden Szenen und später nochmals in der Abendvorstellung perfekt, obwohl unter den Zuschauern an diesem Tag auch vereinzelte Erstbesucher waren.

Doch weiter im Ablauf der Show. Als Chagal ausgesaugt und mit gefalteten Händen auf dem Tisch lag, hielt er die Hand des Professors besonders lange und intensiv fest, so dass Sven Prüwer sie förmlich gewaltsam herauszerren musste. Nachdem Chagal Magda gebissen und sich über die Schulter geworfen hatte, drehte er mit ihr eine Pirouette auf dem Weg zum Tisch.

Die Szene „Vor dem Schloss“ am Ende des I. Aktes war ergreifend wie immer, aber auch besonders lustig. Kevin Tarte verkündete zunächst „Ich bin Graf von Krolock“, gefolgt von „dieses Schloss gehört mir“, wobei er mit geschlossener Hand und ausgestrecktem Daumen über seine Schulter nach hinten deutete: (Dieses Schloss da.) „Ich las Ihr Buch ‚Die Fledermaus’“ sprach er mit angewidertem Gesichtsausdruck und deutete beim „a“ von „gefangen“ eine Bewegung an, die stark an Erbrechen erinnerte. Bei „dies ist mein Sohn Herbert“ deutete er nochmals mit dem Daumen über die Schulter nach hinten. Herbert erschien mit extremem Wiegeschritt auf der Bühne, und Kevin Tartes „Ihr werdet bald Freunde sein“ wurde von frenetischem Jubel des Publikums unter- und kurzzeitig auch übermalt. Einen Augenblick später kuschelte sich Koukol ganz besonders liebebedürftig an seinen Herren. Die Szene endete mit einem frenetischen Applaus für Kevin Tartes lang anhaltendes und donnerndes „befrein“ und schließlich der I. Akt mit ohrenbetäubendem Jubel für alle Darsteller und eine bis hierhin grandiose Show, die sich dann auch im II. Akt fortsetzte.

Die „Totale Finsternis“ läutete den II. Akt ein, den die Cast – teils absichtlich, teils unabsichtlich – stimmungsmäßig noch toppte. Der bereits erwähnte perfekt getimte Applaus in der „Nightmare“-Szene gehörte dazu. Nun brach der Morgen an, und Stefan Büdenbender wie gab auch hier wieder alles, um den Koukol möglichst ekelhaft darzustellen. Ganz besonders beherzt spuckte, um nicht zu sagen rotzte er diesmal in den Haferschleim. Was sich außer diesem und dem Tässchen Tee noch auf dem Tablett befand, wird wohl für immer ein Geheimnis unter den Darstellern bleiben. Riccardo Greco nahm das Tablett vom Servierwagen, warf einen Blick darauf und hatte sichtlich Mühe, sein Lachen zu unterdrücken. Tapfer sprach er seinen Text, nachdem er Abronsius das Tablett in die Hand gedrückt hatte. Auch dieser blickte darauf und versuchte krampfhaft, seine Lachmuskeln unter Kontrolle zu bringen. Beide brachten die Szene nicht ohne leises Glucksen in der Stimme zu Ende.

Nun folgte das Highlight des Nachmittags: die Szene „In der Gruft“. Riccardo Greco versuchte, den Haken im Rücken des Professors zu befestigen – aber es wollte und wollte einfach nicht gelingen. Sven Prüwer behauptete eben noch „schnurstracks“, doch es entstand eine Pause, die er zunächst mit „Naha, das dauert aber jetzt.“ zu überspielen versuchte. Doch schon verlangte er nach der Tasche, aber Alfred war unglücklicherweise noch immer mit dem Haken beschäftigt. Jetzt wurde Abronsius energisch: „Tasche!“, doch Alfred murmelte nur halb verzweifelt „ja! ja!“. Das Publikum sprang schließlich mit lautem Lachen und einem Szenenapplaus ein und verschaffte so Riccardo Greco noch etwas Zeit, endlich den Haken zu befestigen und dann in die Gruft zu springen. Nach einem kurzen Taumeln Alfreds kündigte Abronsius an: „Achtung, jetzt komme ich!“ Alfreds Schrei „Nein!“ war so überzeugend, dass das Publikum den Atem anhielt und um die Knochen von Sven Prüwer fürchtete. Dieser fühlte sich wohl auch nicht ganz sicher, denn sein „Ich hänge fest!“ klang halb überrascht und halb erleichtert. Die komplette restliche Gruftszene war von Heiterkeit, lautem Lachen und mehrfachem Szenenapplaus des Publikums geprägt: für Sven Prüwers plastische Darstellung des Busens von Chagals Tochter, Riccardo Grecos umständliches Öffnen der Särge, des Professors begeistertes Quietschen „Ja!“ beim Vernehmen der Sarginhalte, Alfreds spätes Eingeständnis „Ich kann das nicht“ sowie Sven Prüwers Entrüstung und seinen gespielten Herzinfarkt. Beim Hinaufklettern rammte sich Riccardo Greco zu allem Überfluss noch den Kopf an den Kulissen. Abronsius fasste die ganze Szene im Gehen dann mit besonders wortreichem Gemurmel zusammen und endete mit „Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis du einmal in meine fa-bel-haf-ten Fußstapfen treten kannst.“

In der Bibliothek legte der aufgekratzte Abronsius dann noch einmal ordentlich drauf: „Bücher! Bücher!“ schraubte er stimmlich weit in die Höhe und blieb dort auch bei einem geflöteten „Ja, ja“ nach Alfreds Ermahnung „Wir wollten doch Sarah finden“. In seinem Solo steigerte er sich in eine Geschwindigkeit, die man wohl noch nie gehört hatte, so als müsse er die in der Gruftszene verlorene Zeit wieder aufholen.

Nach dem kurzen Besuch bei Sarah, die fröhlich in der Wanne kicherte, stand Alfred mit Badeschaum am Kostüm und auf beiden Handflächen auf der Bühne, die er dankenswerterweise zum Publikum drehte, so dass es die beiden Schaumberge ausgiebig bewundern konnte.

Florian Fetterle zog bei „Wenn Liebe in dir ist“ alle Register, sowohl stimmlich als auch in Mimik und Gestik. Natürlich zelebrierte er sein vom Publikum so geliebtes Augenrollen und schenkte den Zuschauern ein vorletztes Mal seinen unvergleichlichen Seufzer und das „Püh“ am Ende der Szene.

„Auf den Zinnen“ bedauerte Abronsius diesmal ganz besonders innig, nicht mit Herbert getanzt zu haben und widmete sich dann dem Orion. Alfred bewegte beim Vortrag des Professors, hinter ihm stehend, die Lippen synchron mit – er hat den Spruch vom „Himmel über uns“ und dem „Universum der Logik in uns“ halt schon einige Male zu oft gehört. Von den Drohungen des Grafen ließ sich der Professor auch nicht einschüchtern und äffte stattdessen sein Lachen nach.

Das Publikum feierte seine Vampire am Ende der „Ewigkeit“ und Kevin Tartes brillante, überwältigende und Gänsehaut verursachende Leistung bei der „Unstillbaren Gier“. Koukol bereitete den „Tanzsaal“ für den Ball vor und nieste beim Aufstellen der Kerzenleuchter so heftig, dass ihm die Perücke vom Kopf flog.

Mit einem herzhaften Biss in Sarahs Hals und pulsierendem Ausspucken des Blutes, dem Untergang des Schlosses, einem begeisternden Tanz der Vampire und minutenlangem euphorischen Beifall des Publikums, begleitet von Standing Ovations und Begeisterungsschreien, endete eine der besten Vorstellungen von „Tanz der Vampire“, die das Metronom Theater erlebt hat.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke