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Musical Chicago in Berlin

Dirty Dancing – Das Original live on stage in Berlin

Der Film „Dirty Dancing“ kam 1987 in die Kinos und wurde für Generationen zum Kult. Nun feiert Berlin die Show „Dirty Dancing – das Original live on stage“ im Theater am Potsdamer Platz.

Dass man einen erfolgreichen Film als Musical auf die Bühne bringen kann, das das Publikum von den Sitzen reißt, hat Stage Entertainment sich selbst mit „Der Schuh des Manitu“ vorgemacht. Bei „Dirty Dancing“ ist dieser Spagat nicht gut gelungen.

Der vorab kommunizierte Anspruch, die Zuschauer Teil von Kellerman’s Ferienclub werden zu lassen und in die Show einzubeziehen, weckte hohe Erwartungen – die Realität blieb hinter ihnen zurück. Die Handlung bleibt leider „live on stage“, sie transportiert kaum Verbindendes ins Publikum. Die große Stärke des Films, Emotionen zu wecken, die Zuschauer für einen Moment wieder Siebzehn werden zu lassen, sich mit Baby oder Johnny zu identifizieren, jetzt und sofort für eine bessere Welt kämpfen zu wollen oder einfach nur einmal wild durch die Nacht zu tanzen, konnte die Bühnenversion bei weitem nicht erreichen.

Dirty Daning in Berlin
Do you love me, Dániel Rákász und Charlotte Gooch, Foto: Frank Straub

Dennoch bietet „Dirty Dancing“ einen unterhaltsamen Abend und einiges fürs Auge. Neben den tänzerischen Leistungen besonders von Charlotte Gooch als Penny und Dániel Rákász als Johnny sind dies die wandelbare Bühne, die fantasievollen Projektionen und die Lichttechnik. Gerade der Übergang in die Pause und zurück in den zweiten Akt wurde interessant gelöst.

Die Show erzählt im Grunde den Film nach, natürlich fehlen bekannte Dialoge und geflügelte Worte bzw. Sätze nicht. Jedoch sind Schnitte im Film nicht mit kurz aufeinander folgenden Sequenzen auf der Bühne umsetzbar. Dies bringt keinen Drive ins Stück, sondern eher Unruhe und überfordert die Zuschauer zum Teil sogar. Szenen mit wenigen kurzen Sätzen, die nicht zur Entwicklung der Handlung beitragen, hätten nicht gespielt werden müssen, nur weil sie im Film vorkommen. Oft wäre weniger mehr gewesen.

Dirty Dancing Berlin
Die Wassermelonen durften nicht fehlen, Foto: Frank Straub

Wahre Highlights hingegen sind die Tanzproben auf dem Baumstamm, die Hebefigur-Probenphase von Baby und Johnny zu Lande und zu Wasser sowie Babys Schwester Lisa mit ihrem herrlich falsch gesungenen Probelied für den großen Abschlussabend bei Kellermans. Um dermaßen schief singen zu können, muss man es erst einmal richtig gut können – Claudia Maltritz riss mit ihrer „Lisa“ das Publikum aus dem Schweigen. Der Text ihres Liedes samt Refrain „Ja, dann wackel’ ich wie Dackel und ich hula dich um den Verstand“ tat ein Übriges und ließ ihr zudem die Freiheit für Wackeldackel-Bewegungen, die die Welt noch nicht gesehen hat und das Publikum zu stürmischen Reaktionen hinriss.

Von Figuren wie Neil (Ricardo Frenzel-Baudisch), Enkel von Max Kellerman und hoffnungsvoller Juniorchef, der Baby „Kleines“ nennt und zu der Erkenntnis kommt „Ich bin Management!“ hätte man – wie von der Figur der Lisa – ebenfalls gern etwas mehr gesehen. Auch Janina Elkin als Baby war eine Sympathieträgerin. Ihre Darstellung von der „Baby“ zur „Frances“ war überzeugend, vor allem war ihre klare und deutliche Aussprache eine Wohltat, im Gegensatz zu manch anderen, die nur mit Mühe zu verstehen waren – Hauptdarsteller eingeschlossen.

Die Dialoge waren stellenweise hölzern, manchmal wurden sie auch steif vorgetragen. Des weiteren wirkten die Kombinationen „Herr Kellerman“, „Fräulein Frances Houseman“, „Herr Doktor Houseman“ sowie „Herr und Frau Schumacher“ eher befremdlich, ebenso der deutsche Text von Kellerman’s Anthem: „Jaaaha, Hände, Herzen, Stimmen – Stimmen, Herz und Hand“.

Neben den Tanzszenen, dargeboten von einem exzellenten Ensemble, waren vor allem die Gesangssolisten herausragend. Hervorzuheben sind hier die Duettpartner Bridie Rack und Jens Petter Olsen, der außerdem auch „Billy“ spielte, Stephen Shivers als Tito Suarez sowie Patricia Meeden; des weiteren die Live-Band, die für das Publikum nicht sichtbar hinter der Seitenbühne platziert ist. Entgegen vieler Presseberichte kommt die Musik nicht vom Band, sondern wird live gespielt.

Dirty Dancing (Berlin) – Die Cast:

Frances ‚Baby‘ Houseman: Janina Elkin
Johnny Castle: Dániel Rákász
Penny: Charlotte Gooch
Billy: Jens Petter Olsen
Jake Hauseman: Matthias Dittmer
Marjorie Houseman: Katja Hentschel
Lisa Houseman: Claudia Maltritz
Max Kellerman: Uwe Dreves
Neil Kellerman: Ricardo Frenzel-Baudisch
Robbie: Lukas Hötzel
Vivian: Stephanie Wettich
Mrs. Schumacher: Helga Seebacher
Mr. Schumacher: Wolfgang Bathke
Stan: Matthias Jentsch
Tito Suarez: Stephen Shivers
Moe Pressman: Hans Dieter Heiter

Swings:
Yasemin Celikkan
Mate Gyenei
Christoph Jonas
Josephine Mueller
Sylvania Pen
Andreas Schonert (Cover Neil)
Sabrina Sepe

Ensemble:
Pavlov Antonov, Tertia Botha, Alexey Chumakin, Marco Fahrland, Matthew Huet, Dolan José, Victoria Kasprzak, Marie-Luisa Kaster, Richard McCowen (Walk-in-Cover Tito Suarez), Steven McGrath, Patricia Meeden, Milana Mikulich, Sara Pamploni, Dennis Radelaar, Bridie Rack, Jeroen Robben, Thorsten Tinney (Walk-in-Cover Jake Houseman, Max Kellerman, Moe Pressman), Anna Louise Weihrauch

Die Band:

Reed 1 (Flöte, Altsaxophon): Frank Fritsch, Wolfgang Fischer
Reed 2 (Tenorsaxophon, Klarinette): Wolfgang Fischer, James Scannell
Trompete, Flügelhorn: David Reinhart, Christian Meyers
Posaune: Till Krause
Keyboard: Shav Cohen
Gitarre: Benjamin Schwenen, Kai Koschig
Bass: Rainer Vogelev
Drums: Ralf Kündgen, Marcin Lonak
Percussion: Sebastian Trimolt, Marcin Lonak

Musikalischer Leiter: Michael Delhave
Stellv. Musikalischer Leiter: Mathias Weibrich

Das Kreativteam:

Originalbuch: Eleanor Bergstein
Deutsche Übersetzung: Anja Hauptmann
Produzent: Kevin Jacobsen OAM
Associate Producer: Kerstin Schnitzler
Regie: James Powell
Choreographie: Kate Champion
Associate Choreographer: David Scotchford
Ballroom Choreographer: Craig Wilson
Bühnendesign: Stephen Brimson Lewis
Music Supervisor: Conrad Helfrich
Licht-Design: Tim Mitchell
Sound-Design: Bobby Aitken

Weitere Beiträge zur Szenenpräsentation, Castvorstellung und zum Dancecall in der Rubrik Musicals, Dirty Dancing.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke