Dirty Dancing in Berlin – Auditions
Erster Dance-Call im Theater am Potsdamer Platz
Am 30. Oktober 2008 bevölkerten über 100 Tänzerinnen und Tänzer das Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Für „Dirty Dancing – Das Original live on stage“, das im April 2009 in Berlin Premiere haben wird, stellten sie sich dem Urteil einer Jury um Ralf Schaedler, Casting Director der Stage Entertainment, und kämpften um die Chance auf eine Rolle als „Johnny“ und „Baby“.
Für die besten aus insgesamt über 3000 Bewerbern hieß es nun in einem kleinen Probenraum mit Spiegelwand: Etwas mehr als eine Stunde Zeit, um schnell und konzentriert die Choreographie zu erlernen, sie dann perfekt zu tanzen, die Aufmerksamkeit der Jury auf sich zu lenken und sich in die engere Auswahl zu kämpfen.
Vor Beginn der Audition versammelten sich die Tänzerinnen und Tänzer in einem Kreis inmitten des Probenraums, begrüßten sich und plauderten miteinander, während sie ganz nebenbei Dehnübungen vollführten, die ein Zirkusartist oder eine Ballerina kaum besser machen könnten, und platzierten ihre Wasserflaschen griffbereit im Raum. Es herrschte eine lockere Stimmung, die der Situation, wie man sie aus dem Film „A Chorus Line“ kennt, so gar nicht ähnlich war. Sie hielt sich über die gesamte Zeit der Audition und war bei aller Konzentration und allem Schweiß doch geprägt von Fröhlichkeit und kollegialem Verhalten der Tänzer untereinander, obwohl sicher jedem die Konkurrenzsituation bewusst war.
Nach einer Begrüßung, die noch mehr gute Laune und Optimismus in den Raum strahlte, wurden die Tänzer in zwei Hauptgruppen eingeteilt, wovon eine anschließend zum Proben in einen anderen Raum wechselte.
Dann trat David Scotchford, Associate Choreographer, vor die Spiegelwand, um den im Raum verbliebenen Tänzern die Schrittkombination zu zeigen. David Scotchford hat 15 Jahre Bühnenerfahrung als Sänger, Tänzer und Darsteller. Er war Dance Captain in der australischen Produktion sowie in Hamburg und London Assistant bzw. Associate Choreographer. Nach motivierenden Worten (übersetzt: „Macht Euch bewusst, dass Ihr tanzen könnt, warum Ihr das Tanzen liebt, warum Ihr heute morgen aufgestanden seid”) hieß es dann „two, three, cha-cha-cha, six, seven, cha-cha-cha, quick-quick-slow, quick-quick-slow, two steps right, slow turn, front-side, front-side, spot turn…“ Nach nur 13 Minuten musste in den Köpfen und Füßen der Tänzer eine Kombination von ca. 80 Schritten und Bewegungen verankert sein. Noch ein, zwei Fragen wurden beantwortet und ein paar Sequenzen kurz wiederholt, und schon wurde die Kombination in drei kleineren Einzelgruppen mit Musik getanzt.

David Scotchford (vorn) mit einer Gruppe von Tänzern Foto: Straub
Eine knappe Minute von “Stay (just a little bit longer)“ schallte durch den Raum. In den ersten Sekunden hatten die Tänzer Zeit zum „Eingrooven“, dann wurde in 34 Sekunden die Schrittfolge in atemberaubender Geschwindigkeit durch den gesamten Raum getanzt. David Scotchford gab mit Klatschen, Zählen und Schrittansagen den Takt vor, und schon war die nächste kleine Gruppe dran.
So unterschiedlich die Tänzer in Erscheinung, Outfit und Ausstrahlung waren, so verschieden tanzten sie auch. Einige fielen sehr ins Auge, andere weniger. Eine Tänzerin platzierte sich mit bühnenreifem Lächeln und begeisternder Ausstrahlung immer so weit vorn wie möglich und strahlte professionell in die Kameras der Fotografen, eine andere wirkte merkwürdig in sich gekehrt, als tanzte sie nachts am Strand von La Gomera für sich allein. Ein Tänzer, offensichtlich Lateinamerikaner, beherrschte mit herzerfrischendem Lachen, selbstbewusster Ausstrahlung und Pfeffer im Blut fast den Raum, ein anderer, bestimmt schon einige Jahre Latein-Turniertänzer, fiel mit den typischen, ausladenden Bewegungen auf. Der größte Teil versuchte, mit Ausstrahlung und korrekter Schrittfolge bereits in dieser Phase die Jury möglichst auf sich aufmerksam zu machen.

Konzentriert in Aktion Foto: Frank Straub
Insgesamt zwei Möglichkeiten hatte jede der kleinen Gruppen, die Schritte auf Musik zu tanzen. Dann wurden die Räume gewechselt, die zweite Hauptgruppe kam zurück in den Saal und bekam ihre Chance zum Proben mit Musik.
Es folgte dann eine kurze Pause, bevor es hieß, ohne Zuschauer und Fotografen nun einzeln einen alles entscheidenden Durchlauf vor der Jury zu tanzen und es in die Gruppe der letzten zehn Auserwählten zu schaffen. Diese haben in einer späteren nochmaligen Audition die Chance, sich eine Rolle im Musical „Dirty Dancing“ zu erkämpfen. Spätestens an diesem Punkt wurde bei aller guten Stimmung die Härte dieses Auswahlverfahrens klar: Sie bedeutete für nur zehn Tänzer mit einem „Ja“ noch immer keine Rolle, sondern lediglich eine nächste Chance, und für ganze 90 hoffnungsvolle Kämpfer nur ein „Vielen Dank“.
Ergänzende aktuelle Informationen: (Quelle: Stage Entertainment)
Für die weiteren Rollen sind die Auditions für Ende Januar ausgeschrieben. Probenbeginn ist Anfang Februar.
Autor des Artikels: Susanne Gröschke

