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Musical Chicago in Berlin

Grandioser Musicalabend mit dem Phantom der Oper in der Royal Albert Hall und in Kinos weltweit

Am gestrigen 2. Oktober 2011 wurde die letzte von insgesamt drei Jubiläumsaufführungen des „Phantoms der Oper“ aus der Londoner Royal Albert Hall live via Satellit in ausgewählte Kinos in aller Welt übertragen.

Mit diesem einmaligen Event wurde das 25jährige Bestehen des von Andrew Lloyd Webber komponierten Meisterwerkes gefeiert.

In Deutschland war die speziell für diesen Abend gestaltete Inszenierung in rund achtzig Kinos zu erleben. Wir verfolgten sie im bis auf wenige Einzelplätze voll besetzten CinemaxX am Potsdamer Platz in Berlin.

Das Phantom der Oper live aus der Royal Albert Hall

Unter den Zuschauern waren, wie sollte es anders sein, vor allem Musicalfans – daran erkennbar, dass sie in entsprechender Kleidung erschienen, vor und nach der Übertragung miteinander ins Gespräch kamen, teils auf der Suche nach (nicht vorhandenen) Besetzungslisten waren und sich auf keinen Fall mit Popcorn-Eimern und fassgroßen Coca-Cola-Bechern bewaffneten. Außerdem auch einige Musicaldarsteller, die es sich nicht nehmen lassen wollten, ihre Londoner Kollegen auf der Bühne zu erleben, sowie interessiertes Kinopublikum, das wohl eher in Verdacht steht, die – man muss in Erinnerung des Anblicks schon diesen Ausdruck benutzen – Schweinerei auf dem Boden hinterlassen zu haben.

Angesichts eines solchen Events war es schon bedauerlich, dass das Filmtheater an immerhin exponierter Stelle in Berlin nicht mehr getan hat, um den Abend angemessener zu gestalten. Hier handelte es sich nicht um die Vorführung eines x-beliebigen Films, der vor sich hin läuft und vom Publikum einfach nur konsumiert wird.

Zwar lagen im Foyer ein paar Flyer aus, aber das war es auch schon. Wie viel Aufwand hätte es gekostet, ein Plakat auf der schon ziemlich abgenutzten Einlasstür zum Saal zu platzieren oder ausnahmsweise einmal Sekt anzubieten, alternativ zu den üblichen hässlichen Cola-Papp-Plastik-Konstruktionen. Oder vielleicht um Verständnis zu bitten, dass das Musikerlebnis an einem solchen Abend nicht von einem unermüdlich Popcorn-schnarpsenden Neben- oder Cola-Luftgemisch-einsaugenden Hintermann gestört werden sollte? Oder schlicht die Mitarbeiter zu instruieren, das Publikum heute ausnahmsweise einmal anzulächeln, freundlich „Guten Abend“ oder „Willkommen“ zu sagen und über die Länge der Pause zwischen den Akten Bescheid zu wissen?

Love never dies
Ramin Karimloo als “The Phantom” und Sierra Boggess als “Christine Daaé” (2010), ©Catherine Ashmore

Das Ereignis selbst ließ dann alle störenden Umstände in den Schatten treten. Die Zuschauer in der Royal Albert Hall und den Kinos auf der ganzen Welt erlebten einen Abend, der nur mit Vokabeln wie „grandios“, „unbeschreiblich“, „unfassbar“ zusammengefasst werden kann, wobei es „outstanding“ wohl noch am besten trifft.

Eine spektakuläre Inszenierung mit überwältigenden, sich selbst übertreffenden Darstellern, prachtvollen Kostümen, einem Weltklasse-Orchester mit über 200 Musikern sowie einigen Überraschungen im Anschluss ergriff die Zuschauer – so auch am Potsdamer Platz – dermaßen, dass auch dort wie in London selbst Szenen- und Schlussapplaus aufkam und auch bei vielen Kino-Zuschauern Tränen flossen.

Der Abend begann mit einer Dokumentation zur Entstehung des Musicals, in der u.a. Andrew Lloyd Webber, Produzent Cameron Mackintosh, Choreographin Gillian Lynn und weitere zu Wort kamen. Webber sprach darüber, wie er in einem kleinen Buchladen für einen winzigen Betrag ein Bändchen erstand – es war der 1911 veröffentlichte Roman „Das Phantom der Oper“ von Gaston Leroux. Wie er nach der Lektüre verzaubert war und beschloss, zu der Geschichte die Musik zu komponieren und sie auf die Bühne zu bringen.

Am 9. Oktober 1986 schließlich wurde “The Phantom of the Opera” im Her Majesty’s Theatre in London uraufgeführt. Angereichert mit vielen historischen Fotografien, bewegten Bildern und Zeitungsartikeln, wurde der Weg des Musicals auf die Bühne und um die ganze Welt beschrieben. In den vergangenen 25 Jahren haben weltweit bisher – und diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – 65 Millionen Menschen dieses Musical erlebt.

Nach der halbstündigen Dokumentation wurde live in die Royal Albert Hall geschaltet, wo die letzen Zuschauer gerade ihre Plätze einnahmen. Dank mehrerer unterschiedlicher Kameraperspektiven und der Großbild-Leinwand bot sich – wie den ganzen Abend über – ein überwältigendes Bild. Bei den Schwenks ins Halbrund beispielsweise hatte der Kinozuschauer das Gefühl, als hätte sich der Kinosaal in die Halle integriert und man wäre selbst nun ebenfalls dort, in der Royal Albert Hall. Der Gedanke kam auf, dass nun zur selben Zeit weltweit Menschen in Kinos sitzen, die man nie kennenlernen wird, aber dennoch mit ihnen durch das gemeinschaftliche Erlebnis verbunden ist.

Die Vorstellung selbst war, wie schon erwähnt, unbeschreiblich. Sierra Boggess als „Christine Daaé“ und Ramin Karimloo in der Rolle des „Phantoms“ haben sich ganz sicher selbst übertroffen und bestimmt noch niemals so um ihr Leben gesungen und gespielt wie an diesem Abend – davon ist wohl jeder, der die Aufführung miterlebt hat, überzeugt.

Auch Hadley Fraser als „Raoul“, Wendy Ferguson als „Carlotta“ und Liz Robertson als „Madame Giry“ waren grandios – ebenso wie sämtliche weiteren 132 Mitglieder des Gesangs- und Ballettensembles.

Nach einer Vorstellung, die geradezu atemlos machte, folgte der Schlussapplaus, der in der Halle ohrenbetäubend und auch „live“ im Kino deutlich erklang. Dann bildete das Ensemble in der Mitte eine Gasse, durch die der Komponist Andrew Lloyd Webber sichtlich tief bewegt auf die Bühne kam und einige Worte an das Publikum in London und in den Kinos weltweit richtete.

Er begrüßte das Originalensemble der Uraufführung von 1986 auf der Bühne sowie das Kreativteam dieses Abends und der Royal Albert Hall und erinnerte ausdrücklich auch an zwei Menschen, die diesen Abend nicht mehr persönlich miterleben konnten: Steve Barton, „Raoul“ in der Uraufführung, und Maria Björnson, Schöpferin des Original Designs. Er sei jedoch überzeugt, so Webber, dass beide, wenn auch nicht körperlich, so dennoch an diesem Abend anwesend sind.

Love never dies
Andrew Lloyd Webber (li.) mit Sierra Boggess und Ramin Karimloo (2010), ©Universal Music

Dann folgte ein nochmaliges Highlight: Auf der Bühne erschienen Michael Crawford und Sarah Brightman, das erste „Phantom“ und die erste „Christine“. Auch sie wurden, wie schon die Ehrengäste zuvor, mit Standing Ovations und Jubelschreien begrüßt. Sarah Brightman begann, „The Phantom of the Opera“ zu singen, und nach einigen Sekunden kamen überraschend fünf „Phantome“ auf die Bühne, um sie zu begleiten und abwechselnd mit ihr zu singen: Colm Wilkinson (Original Toronto Cast), John Owen-Jones (London), Anthony Warlow (Original Australia Cast), Peter Jöback (Schweden) sowie Ramin Karimloo.

Nachdem sich der Jubel für Sarah Brightmans Leistung – immerhin hat sie die Fünfzig bereits überschritten – gelegt hatte, sangen die fünf „Phantome“ nochmals miteinander abwechselnd „The music of the night“.

Ein beeindruckendes Feuerwerk beendete einen Abend, der allen, die ihn miterlebt haben, ganz sicher in ewiger Erinnerung bleiben wird. Diese Erinnerung kann schon in wenigen Monaten wieder ganz lebendig werden, und zudem all diejenigen, die nicht dabei waren, erfreuen: Die DVD von diesem Ereignis wird in Deutschland am 25. Februar 2012 erscheinen.

Anlässlich des 25jährigen Jubiläums erschien außerdem am 30. September 2011 bei Universal Music eine limitierte „Phantom der Oper“-Edition.

25 Jahre „Das Phantom der Oper“
2. Oktober 2011 live aus der Royal Albert Hall, London

Die Besetzung:

Hauptdarsteller

The Phantom: Ramin Karimloo
Christine Daaé: Sierra Boggess
Raoul, Vicomte de Chagny: Hadley Fraser
Carlotta Guidicelli: Wendy Ferguson
Monsieur Firmin: Barry James
Monsieur André: Gareth Snook
Madame Giry: Liz Robertson
Ubaldo Piangi: Wynne Evans
Slave Master (Hannibal)/Shepherd (Il Muto): Sergei Polunin
Meg Giry: Daisy Maywood
Joseph Buquet: Nick Holder
Auctioneer: Earl Carpenter
Monsieur Reyer: Philip Griffiths
Monsieur Lefevre: Simon Green
Don Attilio (Il Muto): Stephen John Davis
Passarino (Don Juan Triumphant): Gardar Thor Cortes
Madame Firman: Heather Jackson
Wardrobe Mistress: Ellen Jackson
Confidante (Il Muto): Rosemary Ashe

Corps de Ballet

Nicole Cato, Naomi Cobby, Kathryn Cooper, Natalie Corne, Caroline Crawley, Alison Croft, Tess Cunningham, Liesl Dowsett, Emma Findlay, Anna Forbes, Layla Harrison, Sophie Hartley, Amy Hollins, Emily Hughes, Alessia Lugoboni, Jenny Nixon, Sarah O’Connell, Charise Renouf, Anna Shircliff, Claire Tilling

Ensemble

Nicky Adams, John Addison, Simon Bailey, Garth Bardsley, Rachel Barrell, James Barron, Annatt Bass, Kate Batter, Michael Bauer, Christian Jon Billet, Christopher Blades, Eleanor Blythman, Adam Brooks, AJ Callaghan, Matthew Cammelle, Anna Cervantes, Joseph Claus, Blake Clayfield, Alison Connell, David Delve, Killian Donnelly, Claire Doyle, Deborah Dutcher, Howard Ellis, Sofia Escobar, Oliver Eyre, Wendy Ferguson, Robert Finlayson, David Fortune, Aaron Francis, Lindsey Gardiner, Matt Gent, Melanie Gowie, Graham, Nic Greenshields, Alison Guill, Katie Hall, Andrew Halliday, Katy Hanna, Emma Harris, Katrina Hawkins, Richard Hazell, Sam Hiller, Chris Holland, Christopher Howell, Lisa Hull, Mark Inscoe, Jasna Ivir, John Jack, Luke Jackson, Tori Johns, Emma Jones, Andrew Keelan, Michael Kerry, Anabel Kutay, Richard Lake, Peter Land, Tim Laurenti, Adam Linstead, Jo Loxton, Stephen McCarthy, Alan McKenzie, Mark McKerracher, Paul Monaghan, Richard Munday, Nadim Naaman, Robyn North, Heidi Ann O’Brien, Ryan O’Gorman, Siani Owen, Mark Oxtoby, David Pendlebury, Matthew Powell, Simon Rackley, Kate Radmilovic, Sebastian Rose, Nicola Rutherford, Sarah Ryan, Brian J Saccente, Jeremy Secomb, Simon Shorten, Duncan Smith, Patrick Smyth, James Spilling, Rachel Spurrell, Marina Stevenson, Jane Stoggles, Andrew Thwaite, Katy Treharne, Carmen Vass, Marc Vastenavondt, Alan Vicary, Mandy Watsham, Tabitha Webb, Owain Williams, Lyndsey Wise, Annette Yeo, Colin Zammit

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke