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Musical Chicago in Berlin

Interview mit Adrian Grant zu Thriller Live und Michael Jackson

Michael Jackson wäre am kommenden Samstag, 29. August, 51 Jahre alt geworden. Die Show „Thriller – Live” feiert derzeit sein künstlerisches Erbe in einer spektakulären Live-Show mit einer Tournee durch Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und die Schweiz.

Termine und Tickets hier

Der Chronist und langjährige Begleiter Jacksons, Adrian Grant, hat die Show geschaffen und co-produziert.

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Adrian Grant mit Michael Jackson, ©Semmel Concerts

Im folgenden Interview berichtet Adrian Grant über seine langjährige Freundschaft mit dem „King of Pop“, seine Musik und einen überaus bewegenden Moment während dessen „Heal The World Tour“:

Interview mit Adrian Grant
©Semmel Concerts

Was ist Ihre Lieblingserinnerung an die Treffen mit Michael?

Es gibt so viele, aber ich erinnere mich an eine Reise nach Budapest, 1994. Michael, gemeinsam mit Lisa Marie-Presley, hat eine Kinderklinik besucht und Geschenke und Spielzeug verteilt. Ich hatte das Glück, der einzige „Medienvertreter“ zu sein, dem es erlaubt war, ihn zu begleiten. Und ich war entzückt, dabei helfen zu dürfen, die Geschenke an einige der kranken Kinder zu übergeben. Jedenfalls hat die skeptische Presse darin nicht mehr gesehen als einen PR-Gag im Rahmen seiner „Heal The World“-Tour. Aber was sie nicht geschrieben haben, das war der bewegende Moment, als Michael ein Lächeln auf die Lippen eines sterbenden Mädchens zauberte, welches zuvor wochenlang still und bewegungslos da gelegen hatte. Ihre Mutter, die ihr Tag und Nacht zur Seite stand, brach in Tränen aus, als ihre Tochter plötzlich die Hand ausstreckte, um Michaels Hand zu berühren…

Empfanden Sie es als Ehre, als erster britischer Journalist ein Interview mit Michael auf seinem Anwesen in Neverland machen zu dürfen?

Ja, sehr. Es war eine unglaubliche Ehre. Es bleibt für mich der wundervollste und ruhigste Platz den ich je besucht habe. Eine riesige, grüne Landschaft, klassische Musik, gepflegte Blumen-Beete, ein Zoo, eine Kirmes, ein Kino, Säulengänge und ein himmlischer See den Michael am liebsten von seinem Lieblingsversteck beobachtet hat – einem Baum.

Wie wurden Sie persönlich von Michaels Tod berührt?

Meine ersten Gedanken galten seiner Familie. Besonders seiner Frau Katherine und seinen drei Kindern. Zwei Nächte lang konnte ich nicht schlafen, ich wollte nicht glauben, dass er tot war. Ich hatte das Glück, ihn persönlich 21 Jahre lang gekannt zu haben. Er war sehr freundlich und offen mir gegenüber. Er war ein kluger und humorvoller Mensch. Überhaupt nicht so, wie er in der Presse rüberkam. Ich habe nur großartige Erinnerungen. Logischerweise bin ich durch die Show ja permanent von seiner Musik umgeben. Und ich merke, dass er im Geiste immer noch bei seinen Fans ist. Aber ich vermisse all das, was noch hätte passieren können und nun nicht mehr passieren kann…

Was hat Sie dazu gebracht, 1991 „The Annual Michael Jackson Celebration“ zu etablieren und später „Thriller Live“ zu kreieren?

Vor allem, das es niemand anderes in jener Zeit gemacht hat. Michael Jackson hatte eine unglaubliche Fan-Gemeinde und ich hab sein Fan-Magazin „Off the Wall“ produziert. Es machte Sinn, ein jährliches Event zu produzieren, wo seine Fans aus allen Teilen Großbritanniens und Europas zusammen kommen konnten, um seine Musik zu zelebrieren. Die Show entwickelte sich, wurde größer und besser und wirklich kam Michael selbst, um sich die 10. Show gemeinsam mit 3.000 Fans anzusehen. Die Produktion beinhaltete über 100 Darsteller und Michael sagte, dass es unglaublich war. Von da an war mir klar, dass es das Potential gab, eine komplette Bühnenshow zu machen: „Thriller Live“.

Was erwartet das Publikum in der Show „Thriller – Live“?

In „Thriller – Live“ wird Michael Jacksons Musik gefeiert. Wir erzählen nicht die Geschichte von Michaels Leben, aber wir feiern den King of Pop mit zwei Stunden Tanz und Gesang. Es ist eine Show, die einfach Spaß macht. Eine Show für die ganze Familie.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung dieser Show?

Schon 2002 war mir klar, dass ich die von mir produzierte „Annual Michael Jackson Celebration“ in eine West-End-Show verwandeln wollte. Aber ich musste auf den richtigen Zeitpunkt warten und habe 2005 faktisch von Null angefangen. Es gab viele Hindernisse zu bewältigen, viel Büro-Kram zu erledigen, aber letztendlich habe ich es geschafft: Im August 2006 debütierte die Show in Amsterdam. Und ein paar Monate später trat die Cast während der „World Music Awards“ vor Michael Jackson persönlich auf. Das war eine große Ehre und ein Privileg für die Tänzer – auf der Bühne zu sein und jemandem Tribut zu zollen, der sie so sehr inspiriert hatte.

Wonach suchen Sie, wenn Sie die Cast für die Welt-Tour zusammenstellen?

Das ist einer der schwierigsten Aspekte. Es ist unglaublich schwer, Sänger zu finden, die diese enorme Bandbreite von Michaels Liedern bewältigen können. Von Anfang an war mir klar, dass das nicht einer allein übernehmen konnte, sondern dass wir fünf Sänger brauchten, um dieser enormen Vielfalt gerecht zu werden.

Als erstes haben wir den jungen Michael, also mussten wir einen Jungen von 11 – 14 Jahren finden, der engelsgleich singen kann und auch noch perfekt tanzt. Dann haben wir körnigere Songs wie „Beat It“ und „Dirty Diana“ und dafür brauchten wir einen weißen, männlichen Rock-Sänger. Wir haben zwei ältere Jacksons, welche die Soul- und Pop-Seite von Michaels Werk – Songs von „Rock With You“ bis „Black Or White“ – verkörpern.

Wir haben sogar einen weiblichen Jackson. Michael hatte einen Tonumfang von über vier Oktaven. Er konnte vom tiefen E bis zum hohen g3 oder as3 singen! Es gibt nicht viele Sänger, die diesen enormen Stimm-Umfang haben. Eine weibliche Sängerin würde von seiner großartigen Stimme bei Songs wie „I’ll Be There“, „It’s The Falling In Love“ und „I Just Can’t Stop Loving You“ am nächsten kommen.

Und dann mussten wir unseren eigenen Michael finden, der nicht nur singt wie er, sondern auch genauso tanzt wie er, den Moonwalk mit eingeschlossen! Das ist wahrscheinlich die anspruchsvollste Rolle.

Fühlen Sie zusätzlichen Druck bei Ihrer Arbeit mit der Cast, jetzt, wo die Erwartungen so hoch sein werden?

Nein. Vom ersten Tag an war es immer sehr wichtig gewesen, die talentiertesten, besten Tänzer zu bekommen, die wir finden konnten. Michael Jackson war ein Perfektionist und strebte immer danach, sein Bestes zu geben. Ich habe das verinnerlicht und auch dem ganzen Team ist klar, dass wir hier eine 1A-Produktion abliefern mussten.

Wie hat das Publikum auf die Show reagiert seit Michael Jacksons viel zu frühem Tod?

Die Zuschauer-Reaktionen sind eigentlich gleich geblieben. Sie kommen, um Spaß zu haben und Michaels Musik zu feiern. Selbst am Tag nach Michaels traurigem Tod, als wir eine Schweigeminute abhielten, sprangen sie bei Songs wie „Blame It On The Boogie“, „Billie Jean“ und „Thriller“ von ihren Sitzen.

Hoffen Sie, dass die Show einige der enttäuschten Fans anziehen wird, die Tickets für die geplanten 50 Konzerte in der Londoner O2-Arena hatten?

Michaels Konzerte in der O2-Arena wären unglaublich geworden. Die „This Is It“-Tour hätte jedem gezeigt, dass Michael Jackson der größte Entertainer der Welt ist. Wir können das nicht nach machen. Aber wir bringen für eine Nacht seine Musik zum Leben. Wir haben viele Fans, die in die Show gekommen sind, weil sie es nicht geschafft hätten, in die O2-Arena zu gehen und die glücklich aus der Show gegangen sind, weil sie definitiv einen Eindruck davon bekommen haben, wie es ist, Michaels Musik live zu hören.

Als Sie Michael Jackson interviewten, haben sie ihn gefragt, wie er es gemocht hätte, von der Geschichte beurteilt zu werden. Als lebenslanger Fan und langzeitlicher Freund – wie sollen wir uns an ihn erinnern?

Als großen Sänger und Lied-Komponisten. Als großen Tänzer und Choreografen. Als großen Live-Performer. Und auch als freundlichen, mitfühlenden und liebenden Menschen.

Werden Sie Michaels Familie einladen, Thriller Live zu sehen?

Klar. Tito Jackson kam zur West-End Premiere der Show im Januar dieses Jahres, und auch die anderen der Familie sind jederzeit willkommen. Es ist die beste Art, ihrem Sohn Michael Jackson Tribut zu zollen.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke