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Musical Chicago in Berlin

Interview mit Annemieke van Dam

Annemieke van Dam wird auf der Tournee des Musicals „Elisabeth“ durch zehn Städte in Deutschland und der Schweiz
wieder in der Titelrolle auf der Bühne stehen. Wir trafen die beliebte Musical-Darstellerin am 13. Juli 2011 in Berlin zu einem Interview.

Annemieke van Dam
Annemieke van Dam beim Interview am 13. Juli 2011 in Berlin
©musicalszene.de/Bettina Straub

Annemieke, Du bist in den Niederlanden geboren, spielst die Kaiserin von Österreich und Ungarn auf Bühnen in Deutschland. Du bist wahrlich eine Europäerin…

Ja, sehr! Ich bin es nun schon ein bisschen gewohnt, in Deutschland zu spielen. Ich freue mich sehr, dass wir mit der Tournee auch wieder in der Schweiz gastieren werden. Und mein Freund, Julian Looman – er ist ebenfalls Musicaldarsteller – kommt aus Wien. Wir reisen auch dadurch sehr viel. Ich fühle mich wirklich sehr europäisch.

Tourstationen sind nun erstmals auch einige Städte in den neuen Bundesländern: Chemnitz, Erfurt, Leipzig und Dresden. Vermutlich warst Du in einigen davon noch nie vorher?

Das stimmt. In Leipzig war ich schon einmal ganz kurz und erinnere mich noch gut, dass es mir dort sehr gefallen hat. Ich freue mich wirklich sehr darauf, diese Städte kennenzulernen. Leider sind wir nur relativ kurz dort, aber ich werde hoffentlich Zeit für einen Stadtbummel finden. Doch vor allem bin ich auf die Bühnen und das Publikum gespannt.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Als Du die Rolle 2008 übernommen hast – wie problematisch war es für Dich, die deutschen Texte möglichst akzentfrei zu erlernen?

Ich versuche schon lange, so gut wie möglich deutsch zu sprechen. Es gibt immer wieder bestimmte Stellen, die schwierig für mich sind. Zum Beispiel muss ich oft überlegen: Heißt es nun „der“ oder „das“, „dem“ oder „den“? Meist sprudelt irgendetwas heraus, und dann denke ich: Oh, hoffentlich war das jetzt richtig. Und ich bin froh, dass ich nur singen und keine Dialoge spielen muss.

Es ist schwieriger, einen Sprech-Text zu lernen, als ein Lied mit deutschem Text?

Ja. Weil ich sehr viel über die Melodie machen kann. Sie hilft mir, die Laute besser zu formen. In einem Lied habe ich auch mehr Zeit für das Formen der Aussprache. Bei reinem Sprechtext ist das schwieriger. Bei mir persönlich ist das jedenfalls so, das trifft vielleicht nicht auf jeden zu.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

„Elisabeth“ ist eine Traum-Rolle für jede Darstellerin. Wie kam es überhaupt dazu, dass Du sie bekommen hast? War es Glück, oder warst Du zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Nichts von beidem. Ich habe einfach dafür vorgesungen – das war übrigens hier, in Berlin. Ich war ja damals bei „Elisabeth“ Stuttgart im Gesangsensemble. Da erfuhren wir, dass es wahrscheinlich bald eine Tour geben wird. Dafür wollte ich unbedingt vorsingen. Bei der Audition glaubte ich, für das „Elisabeth“-Cover vorzusingen. Ich hätte niemals gedacht, wirklich nicht, dass ich für die Erstbesetzung angefragt werden würde. Es ist einfach eine unfassbar schöne Rolle.

Was genau begeistert daran so sehr, dass Du sie immer wieder spielen möchtest?

Dass ich daran so mitwachsen kann. In jeder Phase habe ich meine eigenen Emotionen, die sich mit der Zeit verändern. Und es gab und gibt keine Spielzeit, von der ich sagen könnte, dass es langsam beginnt, mich zu langweilen. Natürlich gibt es hier und da eine gewisse Routine, aber die möchte ich eigentlich nicht zulassen. In dieser Rolle kann ich immer wieder so viel für mich herausfinden, so viel über mich selbst lernen. Manchmal bin ich von meinen eigenen Emotionen überrascht und verwundert darüber, dass ich heute plötzlich anders empfinde und reagiere als an anderen Tagen.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Fließen manchmal auch Tränen auf der Bühne?

Ja, ich habe auf der Bühne auch schon echte Tränen geweint. Wenn es mir selbst gerade nicht so gut geht zum Beispiel, dann werde ich in sehr gefühlsbetonten Szenen manchmal von meinen Emotionen überflutet.

Du trägst als „Elisabeth“ wunderschöne, ausladende Kleider, und Deinen Kopf schmückt eine gewaltige Haarpracht. Was für die Zuschauer ein schöner Anblick ist, bedeutet für Dich vermutlich eine Tortur?

Ich war noch nie das typische Mädchen, das sich im Kleidchen entzückt vor dem Spiegel dreht. Ich bevorzuge ein schlichtes Outfit und trage am liebsten Hosen. Hohe Absätze mag ich auch nicht sonderlich. Es gibt natürlich Situationen, in denen ich elegant gekleidet sein muss, und das möchte ich dann auch. Aber es ist anstrengend für mich. Im Privatleben fühle ich mich in Kleidern eher unwohl.

Bei den Proben trage ich die Perücke und die weiten, schweren Kleider noch nicht. Nur den Reifrock, denn er hat Auswirkungen auf die Körperhaltung, genau wie die Absätze, deshalb ist das wichtig.

Was die Perücke betrifft, so werde ich mich am Anfang wieder ein bisschen daran gewöhnen müssen. Es ist zur Premiere dann ungefähr eineinhalb Jahre her, dass ich sie getragen habe. Ich muss daran denken, den Kopf immer leicht nach vorn zu neigen, damit sie nicht rutscht. Aber eine Tortur ist auch das nicht, denn ich trage sie im Stück ja nicht stundenlang.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Auf der Bühne gehören die Kostüme zu meiner Arbeit. Die Kleider in „Elisabeth“ sind natürlich sehr voluminös, und sie sitzen stramm am Körper. Darin muss ich arbeiten, und ich kann das auch. Man gewöhnt sich daran, damit zurechtzukommen. Ich darf nur nicht am frühen Abend Pizza essen, denn die Reifröcke und dieses Kissen, was ich auf der Hinterseite unter dem Kleid habe, sind schwer und ziehen so nach hinten, dass der Rock vorn genau auf den Magen drückt. Ich trinke sehr viel Wasser während der Show, und wenn ich vorher auch noch gegessen habe, dann bekomme ich im Kostüm ernsthafte Probleme. Einmal war ich schon kurz davor, die Show abbrechen zu müssen. Ich hatte starke Schmerzen und wusste nicht, was los ist. Dann ist mir klar geworden: Ich habe zu spät gegessen, und der Reifrock sticht mir in den Magen. So etwas passiert mir nie wieder – Pizza oder Pasta kann ich um drei Uhr nachmittags essen, aber nicht später.

Besteht nach so vielen Jahren nicht die Gefahr der Routine? Oder möchtest Du nun einen neuen, anderen Zugang zu der Rolle finden?

Ja, ich möchte natürlich auch Neues einbringen. Ich gehe davon aus, dass sich die Laufwege und das Bühnenbild nicht verändern werden. Und ich glaube nicht, dass der Regisseur etwas an der Inszenierung ändern wird. Aber wir werden uns natürlich bemühen, dass die Show für die Zuschauer so neu wie möglich sein wird.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Mit Mark Seibert als „Tod“ habe ich einen neuen Bühnenpartner, und das hat automatisch auch Auswirkungen auf mich und meine Interpretation. Mit einem anderen Partner verändert sich auch die nonverbale Kommunikation. Seine Blicke, Bewegungen und Gesten werden auch bei mir andere Reaktionen hervorrufen, das liegt in der Natur der Sache. Ich bin auf das Neue gespannt und freue mich sehr darauf.

Die Darsteller an Deiner Seite sind auch unser nächstes Thema. Allen voran Mark Seibert, der neue „Tod“. Du hast als „Elisabeth“ ja schon einige „Tode“ verschlissen: Uwe Kröger, Felix Martin, Oliver Arno. Was meinst Du, wie wirst Du mit Mark Seibert zusammenpassen?

Ich glaube, sehr gut. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen oder Gedanken – über niemandem, von dem ich schon weiß, dass er bei der Tour dabei sein wird. Wir sind alle, wie wir sind, und wir werden alle unser Bestes geben – dabei kann ja nur etwas Gutes herauskommen. Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam etwas aufbauen, uns immer wieder neu inspirieren und die Show jeden Tag so fit wie möglich, so spontan wie möglich und so echt wie möglich spielen werden.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Ich kenne Mark Seibert – zwar nicht privat, doch ich bin ihm schon einige Male begegnet, bei Auditions oder anderen Gelegenheiten. Übrigens auch einmal mitten in Berlin zufällig auf der Straße. Ich weiß, dass er ein „Arbeitstier“ ist, zudem sehr diszipliniert, und das gefällt mir sehr an ihm. Ich bin gespannt darauf, was er einbringt und wie wir uns gegenseitig inspirieren können. Das wird interessant, ich freue mich darauf.

Oliver Arno spielt den Kronprinzen Rudolf. Du kennst ihn in dieser Rolle bereits. Dann übernahm er den „Tod“ und wurde für Dich vom „Sohn“ zur Sehnsucht, vor allem aber zur Respektsperson. Nun wird er wieder Dein „Sohn“ sein. Wie schwer wird es für Dich, sich auf die neue, alte Konstellation einzulassen?

Das ist eine gute Frage, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Normalerweise ist es so, dass sich das Zusammenspiel während der Probenzeit entwickelt. Aber vielleicht ist es interessant, diesen Gedanken einmal mitzunehmen. Denn Elisabeth hat selbst so viel Todessehnsucht, und vielleicht ist es reizvoll, ein kleines bisschen „Tod“ auch in Rudolf zu sehen. Nicht als Figur, sondern von den Emotionen her. Ja, ich glaube, dass diese neue, alte Konstellation sogar eine Bereicherung sein könnte. Denn Rudolf kommt ja zu Tode, und ich denke, dass es sie sehr unglücklich macht zu sehen, wie unglücklich er ist. Doch sie kann nicht aus ihrer Haut, sie kriegt es einfach nicht hin.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Du meinst, sie ist vielleicht gar nicht wirklich so kalt, wie sie es in der Szene „Wenn ich dein Spieglein wär“ nach außen erscheinen lässt?

Doch, sie ist schon sehr hart. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass in jeder Frau, wie auch in Elisabeth, im tiefsten Inneren etwas ist, das sagt: Könnte ich jetzt kurz die Zeit zurückdrehen, dann würde ich es anders machen. Doch es geht jetzt einfach nicht, ich kann nicht anders. Und sie denkt, glaube ich, auch gar nicht weiter. Sie kommt nicht auf den Gedanken, dass er sich umbringen wird, wenn sie ihn jetzt abweist. In der „Totenklage“ sagt sie dann sinngemäß: Rudolf, wo bist du, ich vermisse dich so sehr. Doch dann ist es zu spät.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Und diese Tragik ist das Ergebnis ihres ganzen Lebens. Sie reagiert so hart, weil sie diese kalte Welt so sehr verinnerlicht hat und in ihr gefangen ist. Sie sieht – im wahrsten Sinne wie in einem Spiegel – in Rudolfs Gesicht: Schau her, was du mit mir gemacht hast. Wärest du nicht so gewesen, stünde ich jetzt nicht hier. Und würdest du jetzt anders reagieren, könnte ich einen anderen Weg finden als den Tod. Aber mit diesem Spiegel will sie gar nicht konfrontiert werden. Sie verschließt ihre Augen davor, denn sie ist selbst schon so kaputt, dass sie es nicht ertragen kann und darf. Sie kann nicht anders, als abzublocken.

Die Rolle „Luigi Lucheni“, Dein „Mörder“ auf der Bühne, übernimmt ein junger, talentierter Darsteller – Kurosch Abbasi. Kennst Du ihn bereits?

Nein. Ich bin natürlich unfassbar gespannt auf ihn! Ich habe noch nichts von ihm gesehen außer einem Foto. Auf der Bühne sehe ich Lucheni ja eigentlich kaum. Nur am Schluss natürlich, und in einer Szene vorher, bei „Nie kommt sie zur Ruhe“, da schleppt er mich mit nach vorn. Aber sonst sind wir nicht gemeinsam auf der Bühne. Doch ich freue mich schon sehr darauf, ihn kennenzulernen, und auf die Proben mit ihm.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Als sehr junge Darstellerin hast Du mit „Elisabeth“ ziemlich schnell die weibliche „Super-Rolle“ bekommen. Welche Herausforderung kann es für Dich noch geben? Gibt es überhaupt noch eine „Traum-Rolle“, die Du in der Zukunft gern einmal spielen würdest?

Ja, es gibt einige. „Elphaba“ in „Wicked – Die Hexen von Oz“ zum Beispiel ist eine wunderbare Rolle. Aber da habe ich in Auditions die Erfahrung gemacht, dass sie scheinbar nicht zu mir passt. Vermutlich werde ich sie wohl nie spielen. „Diana“ in „Next to normal“ wäre eine Traum-Rolle. Aber dafür bin ich noch viel zu jung. Ich denke, das dauert bestimmt noch fünfzehn Jahre, bevor ich sie vielleicht einmal spielen kann. Auch „Mary Poppins“ würde mir Spaß machen.

„Lucy“ in „Jekyll & Hyde“ wäre ebenfalls schön. 2008 habe ich in der Bad Hersfelder Produktion die „Lisa“ gespielt. Man sieht mich irgendwie immer als das brave, aristokratische Mädchen. Doch einmal die „Verruchte“, die „Schlampe“ zu spielen – das wäre eine Herausforderung.

Du stehst nicht nur auf der Musical-Bühne, sondern auch bei Galaabenden und Konzerten. Du warst Special Guest auf der „Absolut Uwe“ Tour, 2010 mit Uwe Kröger. Und Anfang dieses Jahres warst Du in den Niederlanden bei der „Tribute to Michael Jackson“ Tour dabei. Was hast Du dort gesungen?

Ja, genau. Das war sehr interessant. Da habe ich gemerkt, wie sehr ich über die Jahre schon darin geübt war, Annemieke hinter Kostüm und Perücke verschwinden zu lassen und als Figur auf der Bühne zu stehen. In der „Tribute“-Show stand ich mit sieben Frauen auf der Bühne und musste mich – Annemieke – präsentieren. Ich war überrascht, wie schwierig das plötzlich war. Ich musste auch anders singen, denn Michael Jackson kann man nicht in Musicaltechnik ansetzen, das geht überhaupt nicht. Auch tanzen musste ich – und zwar auf wahnsinnig hohen Absätzen, mit denen ich auch noch eine Schräge herunter rennen musste. Am Anfang dachte ich wirklich, ich kann das nicht.

Auf dieser Tour habe ich sehr viel gelernt. Vor allem, dass es manchmal nur eine sparsame Gestik braucht, um sehr viel auszudrücken. Wir denken ja meist, wir müssen ausladend gestikulieren, damit beim Publikum auch viel ankommt. Aber so ist es überhaupt nicht. Im Gegenteil, manchmal kommt weniger herüber, je mehr gestikuliert wird, weil dann die Gefahr besteht, dass es unglaubwürdig wirkt.

Es hat mir jedenfalls großen Spaß gemacht, mit meinen Kolleginnen auf der Bühne zu stehen, die alle ganz verschiedene Typen waren, und Pop zu singen.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Welche Songs von Michael Jackson hast Du gesungen?

„I just can’t stop loving you“, dann einen Part aus “This is it”, auch “Wanna be startin’ something” als Duett, mit einem Tanzbreak und den typischen Michael-Jackson-Moves. Es war wirklich toll, aber auch ungewohnt und anstrengend. Ich bin manchmal japsend von der Bühne geschlichen. Die Lederjacke war auch nicht gerade hilfreich. Doch es war eine interessante Erfahrung. Musical-Vorstellungen sind auch anstrengend, aber da bin ich noch nie hechelnd von der Bühne gegangen.

Deine zahlreichen Fans haben 2007 einen Fanclub gegründet. Wie eng ist Dein Kontakt zu den Mitgliedern, wie gestaltet sich Deine Zusammenarbeit mit den Clubmitgliedern?

Mit Natalie, die den Fanclub gegründet hat, habe ich regelmäßigen Kontakt. Sie leitet mir alle Anfragen und Informationen weiter, und ich reagiere oder beantworte die Anfragen möglichst schnell. Die Fanclub-Mitglieder können mir jederzeit über Natalie schreiben, wenn sie ein Anliegen haben. Manchmal kommen auch einige zusammen in die Vorstellung. Wenn ich das erfahre, dann komme ich nach der Show zu ihnen raus, und wir plaudern ein bisschen.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Hast Du bestimmte Begebenheiten oder Erlebnisse aus den Vorstellungen von „Elisabeth“ in besonderer Erinnerung, und aus welchem Grund?

Merkwürdigerweise fallen mir da gleich unangenehme Pannen ein. Eigentlich sehe ich das relativ gelassen: Fehler können passieren, es geht manchmal etwas schief, man kickst auch einmal einen Ton. Damit muss man umgehen, es abhaken und sich auf das Kommende konzentrieren.

Mein Solo „Ich gehör nur mir“ steigert sich ja am Schluss in einen sehr hohen Ton. Und ich wusste, im Publikum sitzen sehr wichtige Leute aus Wien. Ich habe mich zwar ein bisschen verrückt gemacht, aber gehofft, dass alles gut geht. Wie das so ist: Ich wollte es besonders gut machen, und gerade deshalb brach mir wohl beim Schluss-Ton die Stimme weg. Ich wurde natürlich nervös, versuchte es noch einmal, und es passierte wieder. Dann erst kam der Ton doch noch heraus. In meinem Kopf wirbelte alles durcheinander: Das hast du doch jetzt nicht wirklich gemacht – im Saal sitzen die Leute aus Wien. Dann bin ich von der Bühne gerannt wie eine Wahnsinnige und habe geheult. Aber ich habe mich auch schnell wieder gefangen und gedacht: Du kannst es jetzt nicht mehr ändern, jetzt mach weiter. An diese Vorstellung denke ich nicht besonders gern zurück.

Auf meinem Kleid stand ich schon einmal, wollte dann ganz besonders elegant laufen und stolperte natürlich nach vorn.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Und das Schlimmste, was mir jemals passiert ist: In Stuttgart spielte ich einmal mit Carl van Wegberg. Ich habe mit ihm den Walzer getanzt, und schon nach dem Quick Change gedacht: Der Reifrock sitzt so merkwürdig locker, als wäre der Haken nicht ganz eng geschlossen. Wenn der Rock nicht ganz stramm sitzt, dann hat er bei Körperdrehungen zu viel Spiel. Weil ich beim Walzer das Kleid samt Rock mit einer Hand hoch raffe, verschiebt sich die Spannung des Stoffes. Dadurch ist der Haken dann komplett aufgegangen.

Schon während des Tanzens habe ich das gemerkt, und ich wusste: Gleich muss ich wegdrehen und dann Kleid und Rock loslassen. Mir ist einfach keine Lösung eingefallen, wie ich die Situation retten könnte. Irgendwann, ich stand inzwischen allein, dachte ich: Ok, ich muss den Rock loslassen, also lasse ich ihn jetzt los. Der Reifrock fiel nach unten. Ich stieg aus ihm heraus, und nun lag der ganze weiße Tüll auf dem Boden, während das Kleid von der Taille abwärts am Körper herunterhing. Es sah schrecklich aus. Ich dachte nur: Wie hätte ich es machen können? Wie hätte ich es nur machen können? Ich stand da und hatte das Gefühl, dass die Leute mich alle anstarren, die Hälse recken und sich fragen, was da jetzt plötzlich auf dem Boden herumliegt. Carl hat dann den Tüll hochgenommen und schnell in die Gasse geschmissen. So etwas passiert mir hoffentlich nie wieder.

Annemieke van Dam
©musicalszene.de/Bettina Straub

Danke, Annemieke, für dieses schöne und offene Gespräch, und die allerbesten Wünsche für Dich, die „Elisabeth“-Tournee und Deine weitere Karriere!

Das Gespräch führte Susanne Gröschke.

Fotos: Bettina Straub

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Weitere Informationen:

www.elisabeth-das-musical.com

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke