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Musical Chicago in Berlin

New York Pianobar in Berlin: The Singers’ corner

(Update: 21. Januar 2013 – Rob Fowler kann aufgrund anderer Verpflichtungen heute leider nicht dabei sein.)

Eine Veranstaltung ganz neuer Art hat sich in Berlin etabliert: „The Singers’ corner“. Ein Mal im Monat treffen sich hier montags Künstler vor allem aus dem Musicalgenre, um zu singen, aber auch um sich wieder zu sehen, neue Kollegen kennen zu lernen oder Erfahrungen auszutauschen – ganz im Stil der „New York Pianobar“.

Was zunächst als Treffen der Künstler untereinander und mit ihren Freunden in kleinem Rahmen begann, wird jetzt in etwas größerer Location fortgeführt und ist nun auch für Publikum und Gäste offen, wobei der typische, private Charakter und die lockere Atmosphäre erhalten bleiben soll.

Die nächste „The Singers’ corner“ findet am 21. Januar 2013 von 19:00 (Einlass) bis ca. 23:30 in Berlin-Charlottenburg statt. Der Eintrittspreis beträgt 10 Euro. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich, für Facebook-Mitglieder bevorzugt über die Facebook-Seite The Singers’ corner, alternativ per eMail unter office(at)omegalliance.com.

Auf den Seiten von „The Singers’ corner“ auf Facebook sowie bei Twitter sind neben Fotos und Videos auch einige Tage vor den Terminen Informationen über die auftretenden Künstler zu finden.

The Singers’ corner
Rob Fowler – The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Unter anderem wird Dennis LeGree dabei sein. Er ist zurzeit auf Deutschland-Tournee und kommt eigens für seinen Auftritt an diesem Abend nach Berlin. Sarah Elizabeth Bowden hat ebenfalls zugesagt, zudem viele Sängerinnen und Sänger aus diversen Genres, von Pop bis Oper und natürlich Musical.

The Singers’ corner
Dennis LeGree (r.) mit Mathias Weibrich bei The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Wir waren bei den ersten beiden Veranstaltungen Ende 2012 dabei und erlebten eine mitreißende, begeisternde und herzliche Atmosphäre und grandiose Auftritte von Sängern wie Rob Fowler, Dennis LeGree, Natasza Boon, Sarah Bowden, Samantha Turton, John Davies, Tertia Botha, Maximilian Mann und vielen anderen. Gesungen wird mit Klavier- oder Gitarren-Begleitung, live und hautnah am Publikum. Viele Stilrichtungen sind vertreten – vor allem Musical, aber auch Chanson und Lied, Pop und Rock.

Initiator und Moderator der Reihe ist Dolan José, Kreativdirektor und Choreograph der Event- und Künstleragentur OmegAlliance Entertainment. Dolan José ist Sänger, Tänzer, Choreograph und Autor. Bei „Starlight Express“ in Bochum war er „Rusty“, „Electra“ und „Caboose“, bei „Dirty Dancing“ Berlin Dance Captain und Swing sowie Dance Captain bei „Hinterm Horizont“.

The Singers’ corner
Dolan José – The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Dolan José selbst beschreibt das Konzept von „The Singers’ corner“ im folgenden Interview:

Ich wollte immer eine „New York Pianobar“ in Deutschland erleben, wie ich sie aus Amerika und Kanada kenne. Ich bin immer gern dort gewesen. Es ist ein regelmäßiges Treffen unter Kollegen. Dort wurde natürlich viel gesungen, aber es war auch eine Kontaktbörse für Kollegen, locker, offen, auf privater Ebene. Dort konnten wir austauschen, uns über Techniken und Songs unterhalten, von Casting-Terminen erfahren.

Die Künstler können dort zum Beispiel neue Songs für Auditions ausprobieren oder das Singen vor Publikum trainieren – denn diese Veranstaltungen sind auch offen für Gäste. Die Sänger haben hier die Möglichkeit, einmal andere Songs zu interpretieren als die aus ihren gewohnten Stücken. Sie können sich einfach ausprobieren. Neueinsteiger sind ebenfalls willkommen. Der einzige Weg, Hemmungen zu überwinden, sicherer zu werden, ist das Singen vor Publikum – und diese Möglichkeit hat man dort. Gleichzeitig ist es eine besondere Herausforderung, aber auch ein gutes Training – denn wer vor geschulten Kollegen besteht, gewinnt auch Sicherheit für die Bühne vor fremdem Publikum.

In Deutschland habe ich bisher nichts dieser Art gefunden. Das hat mich ehrlich gesagt überrascht. Es gibt zwar viele kleine Klubs mit Open Stage, doch dort werden meist Hits aus den Charts gesungen oder es treten Newcomer-Bands mit eigenen Songs auf. Das sind keine Veranstaltungen, wo nur zum Piano oder zur Gitarre gesungen wird und wo viele Stilrichtungen möglich sind – von Musical bis zu Chanson, Kabarett oder Oper.

The Singers’ corner
Richard McCowen – The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Und eine solche Veranstaltung möchtest Du nun auch in Deutschland etablieren?

Ja, wir beginnen zunächst ein Mal pro Monat in Berlin. Die ersten beiden Veranstaltungen Ende 2012 waren ein großer Erfolg. Besonders schön war die herzliche Atmosphäre. Es ist familiär, locker, wie in einem großen Wohnzimmer zusammen mit Freunden. Da wird mal mitgesungen, es gibt spontane Reaktionen, auch Zwischenrufe, Szenenapplaus, und die Unterstützung des Publikums überträgt sich auch auf die Sänger. Da wird hier einmal etwas gegessen oder getrunken, es geht jemand hinaus oder kommt herein, es gibt immer Bewegung – ganz anders als in einem Konzert. Die Sänger stehen auch nicht auf einer Bühne, sondern fast mittendrin. Und vieles passiert spontan.

Wir haben mit Mathias Weibrich einen hervorragenden Pianisten. Er kann einfach alles spielen, und es macht ihm so viel Spaß. Ich sage immer: Wenn es klingt wie Playback, dann deshalb, weil er so dermaßen gut ist. Songs, die eigentlich nicht für Klavierbegleitung arrangiert sind, passt er an und sieht es als Herausforderung. Die Künstler können auch von ihm lernen. Es ist ein Geben und Nehmen für alle und eine schöne Atmosphäre für die Künstler wie für das Publikum.

The Singers’ corner
Mathias Weibrich – The Singers’ corner, 21. Dezember 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Das heißt, die ersten beiden Veranstaltungen sind genau so verlaufen, wie Du es Dir gewünscht hast?

Ja, beide Abende haben genau den Punkt getroffen. Ich war vorher doch ziemlich nervös und aufgeregt. Ich wusste ja, wie es werden soll, und auch einige der Sänger, die schon zu Gast waren, kennen das Original aus New York. Ich hatte ihnen nun in Berlin ein Pendant versprochen, konnte aber nicht sicher sein, dass der Plan auch aufgeht. Ich habe zwar als Moderator durch den Abend geführt, doch ich kann die Stimmung, die Atmosphäre nicht von der Bühne aus erzeugen. Man kann das nicht steuern, es muss sich von selbst ergeben und aus dem Publikum kommen.

Ich habe mich so gefreut, dass es gelungen ist. Dennis LeGree zum Beispiel kennt das Original aus New York. Er kam nach dem ersten Abend zu mir und hat mir gratuliert. Die Stimmung, sagte er, sei wirklich wie in einer New Yorker „Pianobar“ gewesen. Er spricht noch immer davon, und zur nächsten Veranstaltung im Januar kommt er extra nach Berlin. „The Singers’ corner“ hat sich schon nach so kurzer Zeit unter den Künstlern herumgesprochen, sogar bis nach Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Stuttgart.

The Singers’ corner
The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, hier mit Richard McCowen, ©OmegAlliance Entertainment

Ich wünsche mir auch mehr Künstler, nicht nur aus dem Musicalgenre, sondern beispielsweise auch Opernsänger. Wir haben schließlich zwei große Opernhäuser hier in Berlin. Oder auch die Studenten der Universität der Künste, die noch in der Ausbildung sind. Auch wenn sie vielleicht nicht gleich auftreten möchten, so treffen sie doch auf gestandene Kollegen, mit denen sie ins Gespräch kommen können, um sich Anregungen und Tipps zu holen. Sie alle sind herzlich willkommen.

Wir haben jetzt neue Räumlichkeiten in der Berliner City, dort haben wir mehr Platz, ohne dass die intime Atmosphäre darunter leidet. Die Leute können alle an Tischen sitzen, keiner muss mehr stehen, und sie können sich auch miteinander unterhalten, ohne andere zu stören, die den Sängern zuhören möchten. Ich möchte auch, dass sich die Leute miteinander unterhalten können. Es soll nicht zugehen wie in einem typischen Konzert. Und egal wo man im Raum sitzt, hat man trotzdem immer einen guten Blick auf die Sänger.

Das bringt uns zu dem erweiterten Publikum. Nun können neben Freunden der Sänger auch Gäste zu den Veranstaltungen kommen. Welches Publikum wünschst Du Dir?

Menschen aller Altersgruppen, die Musik und Live-Gesang genießen wollen, offen sind für verschiedene Stilrichtungen. Musicalfans natürlich, aber auch solche, die normalerweise nicht in Musicals oder Konzerte gehen. Wenn sie hereinkommen, einen schönen Abend haben und dabei diese Kunst für sich entdecken, das wäre schön. Vielleicht gehen sie dann auch einmal in ein Musical oder in eine Oper. Das ist auch ein Ziel.

Die Gäste sollen erleben, dass wir keine „Stars“ sind, sondern Menschen mit Herz für die Musik. Das verbindet uns mit dem Publikum. Wir wollen an diesen Abenden gemeinsam die Musik feiern, sowohl die Künstler miteinander, als auch zusammen mit dem Publikum. Alle sollen sich wohl fühlen. Deshalb wünsche ich mir auch, dass die Privatsphäre der Künstler respektiert wird. Es soll kein „Meet & Greet“ sein und keine Autogrammstunde. Natürlich dürfen die Sänger bei ihrem Auftritt fotografiert werden – möglichst ohne Blitz –, aber außerhalb der Auftritte soll ihre Privatsphäre gewahrt bleiben. Ich setze da auf Diskretion und Respekt. Die Künstler sollen sich wie unter Freunden, wohl und gut aufgehoben fühlen. Abende mit Herz und gegenseitigem Respekt wünsche ich mir. Wir, die Künstler, respektieren unser Publikum und erwarten im Gegenzug auch Respekt für uns.

The Singers’ corner
v.l.: Dolan José und Alper Day – The Singers’ corner, 21. Dezember 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Du bist ja auf den Philippinen geboren und hast in Kanada gelebt. Wann und wie bist Du nach Deutschland gekommen?

Ich bin 1994 nach Deutschland gekommen und habe neuneinhalb Jahre bei „Starlight Express“ in Bochum gespielt. „Rusty“ war meine erste Rolle in Deutschland. Zuvor war ich in der Originalbesetzung von „Miss Saigon“ in Toronto. Dort hörte ich von einer Audition für „Cats“ und „Starlight Express“. Ich wollte eigentlich immer nach London und hätte nicht gedacht, dass ich letztlich in Bochum und dann in Berlin landen würde. Das stand gar nicht auf meiner Liste, zumal ich auch kein Wort deutsch sprach. Als ich damals zur Audition ging, war mir auch überhaupt nicht klar, dass es um Musicals in deutscher Sprache ging. Ich bekam ein Angebot für beide Stücke und habe mich dann für „Starlight Express“ entschieden – ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet.

Als ich in Bochum angekommen war und am nächsten Tag die Show zum ersten Mal sah, fiel ich von einem Schreck in den nächsten: Das ist ein Stück auf Rollschuhen. Und die singen auf Deutsch! Doch es gab kein Zurück mehr, der Vertrag war unterschrieben.

Die Texte habe ich – mit einigen anderen neuen Kollegen – mit einem Coach zuerst rein phonetisch gelernt, die Aussprache Wort für Wort. Wir wussten am Anfang nicht, was wir singen, aber dafür ganz genau, wie die Texte aussprechen müssen. Ich stand vor zwei großen Herausforderungen: Rollschuhlaufen und Deutsch lernen. Ich bin ein Perfektionist. Es hat mir nicht gereicht, die Texte nur richtig singen zu können. Ich wollte wissen, was ich singe und auch die Gesangsparts meiner Kollegen verstehen. Ich war in Deutschland und wollte die Sprache lernen, und das auch möglichst akzentfrei.

Heutzutage ist die Arbeitssprache hier an fast allen Musicalbühnen Deutsch. Damals war das anders, da wurde grundsätzlich Englisch gesprochen. Ich habe meine Kollegen bei „Starlight Express“ aber gebeten, mit mir nur Deutsch zu sprechen. Denn wenn man gezwungen ist, sich in einer fremden Sprache zu verständigen, dann lernt man sie viel besser. Ich habe es geschafft, aber es hat ungefähr fünf Jahre gedauert, bis mein Deutsch so gut war.

Seit 2004 bin ich deutscher Staatsbürger. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und meinen kanadischen Pass abgegeben. Das Einbürgerungsverfahren war keine Hürde für mich. Ich habe mich nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit deutscher Geschichte beschäftigt und kenne sie manchmal besser als so mancher Einheimische. Ich bin ein politisch interessierter Mensch und gehe zum Beispiel immer wählen, egal ob es um die Bundestagswahl oder die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus geht. Meine Premiere war gleich im Jahr 2004 die Wahl zum deutschen Bundestag.

The Singers’ corner
Dolan José (li.) und Mathias Weibrich – The Singers’ corner, 12. November 2012, Berlin, ©OmegAlliance Entertainment

Viele Deutsche wissen nicht, wie gut sie hier leben, im Vergleich zu vielen anderen Ländern und auch zu den USA. Ich kann mich noch erinnern, als ich während meiner Ausbildung in Los Angeles eine Grippe bekam. Ich ging zum Arzt, und bevor ich ihn überhaupt zu sehen bekam, wurden erst einmal 500 Dollar Vorschuss verlangt. Er schaute dann hier und da, empfahl Bettruhe, viel Flüssigkeit, und ich könnte Aspirin – kaufen. Am Ende bekam ich ganze 170 Dollar zurück, und das war’s. Das wäre in Deutschland nicht vorstellbar.

Auch die deutsche Mentalität ist viel besser als ihr Ruf. Deutschland ist ein sehr herzliches Land. Ich bin gern hier und mittlerweile fest verwurzelt. Hier und in Europa überhaupt habe ich mir inzwischen so viel aufgebaut, das es für mich keinen Sinn mehr macht, nach Amerika zurückzukehren. Ich fühle mich hier längst zu Hause, auch wenn meine künstlerische Seele immer mit dem Broadway verbunden bleibt.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich aber auch auf den deutschen Bühnen viel verändert. Es gibt hier mittlerweile hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für Musicaldarsteller. Auf den Besetzungslisten finden sich heutzutage weitaus mehr deutsche Künstler als früher, ihre Qualität ist dem Broadway oder Westend ebenbürtig. Schon damals sind Darsteller aus New York oder London gern nach Deutschland gekommen – denn hier wird ist unsere Kunst viel höher geschätzt. In Amerika haben Filmschauspieler eine große Bedeutung, aber Bühne, Theater, Musical – das ist dort in den Augen vieler keine große Kunst.

Ich habe seinerzeit in Kanada und den USA so sehr darum kämpfen müssen, mich mit meinen philippinischen Wurzeln und asiatischem Aussehen in dieser Branche zu etablieren, besetzt zu werden – abseits von „Miss Saigon“. In Deutschland wurde ich der erste asiatische „Rusty“. Leah Delos Santos zum Beispiel steht in Deutschland als „Belle“ in „Die Schöne und das Biest“ auf der Bühne oder in „Les Misérables“ und vielen anderen Musicals. Hier werden wir in erster Linie als Künstler gesehen und haben die Chance, uns zu verwirklichen. Wenn du fachlich für die Rolle geeignet bist, dann bekommst du sie, egal ob du europäischer oder asiatischer Abstammung bist. Das war für mich damals eine Überraschung – eine so schöne Überraschung.

Du hast aber nicht nur Musicalrollen auf der Bühne gesungen, sondern auch als Choreograph und Regisseur gearbeitet. Wann hast Du damit begonnen?

Bei „Starlight Express“ hat das schon begonnen. An den Shows wird ja immer wieder gearbeitet. Allein in den neuneinhalb Jahren, in denen ich dort war, wurde die Show vier Mal verändert, da habe ich im Namen von Arlene Phillips choreographiert. Bei den Musicals „Dirty Dancing“ und „Hinterm Horizont“ in Berlin war ich Dance Captain.

Erst nach meiner Zeit bei „Starlight Express“ habe ich begonnen, selbst zu choreographieren. Das war immer mein Wunsch. Ich habe zunächst in der Fernseh- und Filmbranche angefangen, denn das war damals schon Teil meiner Ausbildung. Ich kenne mich aus, wie etwas in der Kamera aussieht und wirkt. Ich habe Choreographien für Fernsehauftritte und Promotions erstellt, mit Comedians gearbeitet, für Musikvideos und Bühnenshows choreographiert.

Ich arbeite auch als Performance-Trainer. Auch ein Sänger abseits der Musicalbranche muss lernen, sich körperlich auszudrücken, er muss Mimik und Gestik einsetzen, und vor allem muss es überzeugend aus seinem Inneren kommen – sonst erreicht er sein Publikum nicht. Eine gute Stimme allein genügt nicht. Langsam setzt sich diese Erkenntnis auch bei den Künstlern durch.

Ich schreibe auch selbst Stücke. 2011 habe ich mit Kindern und Jugendlichen in Bochum gearbeitet. Das war für mich eine Chance, etwas von dem zurückzugeben, was mir selbst hier in Deutschland ermöglicht wurde. Diese Kinder hätten sonst keine Chance gehabt, sich auszuprobieren, auf einer Bühne zu stehen. Mit der Finanzierung durch das Jugendamt Bochum haben wir ein Musical einstudiert, das sich mit dem Thema Mobbing in der Schule befasst. Es hieß „Ich kann – also bin ich!“ Ich habe es geschrieben, die Choreographie entwickelt und Regie geführt. Die Kinder und Jugendlichen haben auch das Bühnenbild und die Kostüme mitgestaltet. Die Aufführung wurde ein großer Erfolg.

Inzwischen arbeite ich auch als Regisseur. 2005 hatte ich meine erste große Regie, das war in Dresden, ich versah eine Couture-Modenschau mit Musical-Elementen. Wir haben mit dieser Modenschau eine Geschichte erzählt, mit Ralf Schaedler als Hauptdarsteller, und es hat richtig gerockt. 2008 habe ich dann das Musical „Joseph und seine Brüder“ in Berlin inszeniert, gemeinsam mit Profis und Laien, mit ganz kleinem Budget. Das war eine große Herausforderung, aber sehr erfolgreich.

Im Vergleich zum Broadway oder Westend ist das Musical in Deutschland noch jung. Aber die Branche hat sich rasant entwickelt. Heutzutage haben wir eigene, hervorragend ausgebildete Musicaldarsteller, die in den Hauptrollen auf der Bühne stehen. Wenn ich die Zeit von 1994, als ich nach Deutschland kam, bis heute betrachte, so hat das Musical in Deutschland einen großen Entwicklungssprung gemacht.

Früher sind Stücke nach Deutschland exportiert worden, heute haben wir eine große Zahl an Musicals „Made in Germany“. Ich wünsche mir noch viel mehr davon. Wir haben hier nicht nur sehr gute Darsteller, sondern auch hervorragende Autoren und Regisseure, die das Zeug haben, echte Klassiker hervorzubringen, die ein breites Publikum ansprechen. Alles, was wir brauchen, ist längst da. Das wird der nächste große Entwicklungssprung; wir sind schon auf dem Weg.

Vielen Dank für das Gespräch, und weiterhin so viel Erfolg für „The Singers’ corner“. Wir werden die Reihe weiter begleiten und in regelmäßigen Abständen darüber berichten.

Das Interview führte Susanne Gröschke.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke