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Musical Chicago in Berlin

Tanz der Vampire – eine Nachmittagsvorstellung im November 2008

Bericht von der Vorstellung am 15. November 2008, 15.00 Uhr

Gefühlte Dauer der Show: eine Stunde, höchstens. In Wirklichkeit waren es, die Pause eingeschlossen, knapp drei. So rasend schnell wie an diesem Samstagnachmittag wurde ich jedenfalls noch nie vom Wirthaus voller Knoblauch in den Tanzsaal seiner Exzellenz, des Grafen von Krolock, befördert. Und schon erklang das Finale einer tollen Vorstellung mit vielen Überraschungen, die ich hier in Oberhausen von einem Traumplatz aus, in der Mitte der ersten Reihe, genießen durfte – und die wie gesagt viel zu schnell wieder vorbei war.

Blick in den Orchestergraben

Aber nun ein Sprung zurück, ganz an den Anfang, in die Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung. Es lohnt sich, wenn man die Möglichkeit hat, das Geschehen im Orchestergraben zu beobachten. Auf dem Dirigentenpult liegen nicht nur die aufgeschlagene Ouvertüre und der Taktstock, nein, auch Wattestäbchen und Tesafilm haben ihren Platz (wofür auch immer sie gebraucht werden). An den Plätzen der Musiker finden sich neben Wasserflaschen auch Papiertaschentücher und Pappbecher mit Kaffee. Auch sonst spielen sich interessante Dinge ab. Die Musiker treffen nach und nach ein, begrüßen sich auch am Nachmittag schon mal mit einem fröhlichen „Morgäään!“, beim Einspielen erkennt man hier und da Takte aus dem Stück, aber auch spanische Weisen bis hin zu wilden Flamenco-Klängen des Gitarristen, der dazu auch die passende Mimik auflegt.

Mit Begeisterung erblickte ich Marina Kommissartchik höchstpersönlich an einem der Keyboards. – Es kann nur traumhaft klingen, das Orchester, heute. Einige Musiker dehnten ihre Arme und Schultern, als müssten sie gleich im Ensemble tanzen. Drei (wirklich dreiiii!) Minuten vor Beginn der Vorstellung waberte nicht nur Nebel stimmungsvoll durch den Zuschauerraum des traumhaft schönen Theatersaals, nein, auch an der Beleuchtung eines Notenpults wurde noch in aller Ruhe geschraubt, während Klaus Wilhelm, der Dirigent des Abends – welch vertrautes Bild – telefonierte, nämlich (offenbar an den Tontechniker) übermittelte, wer heute welches Instrument spielt.

Eintauchen in die Dunkelheit

Und dann wurde es dunkel im Saal, und es hieß wieder „… und tauchen Sie mit uns in die Dunkelheit ein!“ Die ersten Töne der Ouvertüre erklangen. Es ging los. Ich war mittendrin. Wahnsinn. Diese tolle Atmosphäre, die gewaltige Musik, der Mond, das Schloss und die flatternden Fledermäuse auf dem Projektionsvorhang – es ist einfach immer wieder unglaublich, das zu erleben, wenn man dieses Stück und diese Musik so liebt wie ich. Endorphine pur. – Und noch eine gute Viertelstunde bis zum ersten Auftritt eines Grafen von Krolock, auf den ich mich monatelang gefreut hatte.

Doch zunächst suchte Alfred (ein großartiger Krisha Dalke, neben Kevin Tarte – natürlich – d i e Überraschung des Abends für mich) im dunklen Wald ängstlich nach dem Professor und schleppte ihn ins Wirtshaus. Und da war wieder was los. Die Dorfbewohner sangen, tobten und tanzten auf den Tischen, als ob sie sich den ganzen Tag schon darauf gefreut hätten, und welch vertrauter Anblick waren Jerzy Jeszke als Chagal und Jacub Wocial als Dorftrottel. Nun wurden die Knoblauchketten in einem großen Korb herein getragen, alle bedienten sich aus dem Korb und hängten sich die Ketten also erst in der Szene um. Diese Änderung ist eine gute Idee, sorgt sie doch beim Ensemble für noch mehr Aktionsmöglichkeiten und verstärkt insgesamt den Eindruck ausgelassener Stimmung.

Und weiter ging’s. Der Professor (herrlich witzig: Gernot Kranner) taute langsam auf (erste leise Lacher im Publikum), Alfred starrte auf Magdas (Linda Konrad) Dekolleté, Chagal hieß die Gäste willkommen im „ersten Hotel am Platz“, lud sie zum Bleiben ein und führte sie in ihre „Luxus-Suite“ samt angeschlossenen „hochmodernem Badezimmer“. Sarah wurde wie bekannt aus der Wanne gejagt und verschwand in ihrem Zimmer.

Großartig: das Timing vor „Eine schöne Tochter ist ein Segen“. Alfred bückte sich mit dem Schwamm in der Hand gerade in Augenhöhe zum Schlüsselloch, um in Sarahs Zimmer zu blicken, genau in dem Moment erschien Chagal mit dem Brett und schob es direkt zwischen Alfreds Gesicht und das Schlüsselloch. Einfach köstlich, diese kleine Szene, besonders zusammen mit Alfreds leicht verwirrt-enttäuschter Reaktion.

„Eine schöne Tochter ist ein Segen“. Chagal endete natürlich auch hier wieder mit der zweifelnden Handbewegung: „Ein Segen? Na …hmm…“ In der Zwischenzeit zog sich der Professor umständlich und mit Alfreds Hilfe aus, legte sich ins Bett und machte auch diesen wunderbaren Handkantenschlag links und rechts an der Bettdecke entlang. Sehr lustig war auch, wie Alfred die Nachtmütze des Professors aus der Tasche holte, umständlich begutachtete und erst einmal ordentlich abstaubte, bevor er sie dem Professor reichte.

Es folgte „Nie geseh’n“. Der schwer verliebte Alfred schwärmte von Sarah (Nele-Liis Vaiksoo), die ebenfalls beseelt an Alfred dachte, oben, im hier etwas spartanischer als früher eingerichteten Wirtshaus, schlich sich Chagal zur nähenden Magda, was unten den Professor aufschreckte, Rebecca (Eva Maria Bender) schlug die Salami auf Chagals Kopf, und langsam zog wieder Ruhe ein, nur Alfred und Sarah schwärmten noch – und bekamen nur meinen Hinterkopf zu sehen, denn ich starrte längst in die entgegen gesetzte Richtung:

Der Graf betrat den Saal!

Es war sehr dunkel, und man musste zunächst schon sehr genau hinschauen, um die Gestalt erkennen zu können. Er schritt die obere Treppe herab und dann langsam und erhaben den langen Mittelgang entlang, wobei er ab und an mit einer leichten Armbewegung einen Gruß ins Publikum andeutete. Schon hier spielte er und betrachtete wohl das Publikum wie selbstverständlich als sein Volk, das ihn erwartete. Es ist sehr schön zu sehen, wie das an den Außenplätzen am Gang sitzende Publikum reagiert, wenn er gerade vorbeigegangen ist. Die Hälse sind gereckt, die Münder stehen offen, die Blicke wie gebannt auf dem Rücken des Grafen.

Langsam ging er auf die Bühne, während „Gott ist tot“ begann, schritt bis zur Mitte und breitete mit dem Rücken zum Publikum mit den Armen seinen Umhang aus. „Jahrelang war ich nur Ahnung in dir. Jetzt suchst du mich und hast Sehnsucht nach mir. Nun freu dich…“ Seine Stimme jagte einen Schauer nach dem anderen durch mich hindurch. Er stand geradewegs vor meinem Platz, und als er sich mit einem Ruck umgedrehte und sang „Gott ist tot!“, sah er mir genau in die Augen. Es war unbeschreiblich. Er drückte wohl nicht nur mich, sondern bestimmt die ersten fünf Reihen in die Sitze, und ich folgte atemlos seinem Gesang. So schnell war es wieder vorbei, der Graf schloss den Umhang und ging mit einem letzten Blick in den Mond, den man einfach nicht in Worte fassen kann.

Der Wintermorgen brach an, „Alles (war) hell“, Gernot Kranner sang seine schnellen, zungenbrecherischen Parts ganz wunderbar und mit ab und an leicht wienerischem Akzent, was natürlich sehr lustig war, wenn man daran dachte, dass der Professor ja angeblich „aus Königsberg“ stammen sollte. Trotz Szenenapplaus hielt sich das Publikum für meinen Geschmack sehr zurück – ich vermute, viele waren Erstbesucher, die noch nicht so recht wagten, ihrer Begeisterung etwas freieren Lauf zu lassen an Stellen wie dieser, wo man das durchaus kann.

Edgar Allan Poe Musical
Foto: Stage Entertainment

Nun begegneten sich Alfred und Sarah im Bad. Wie das ganze Stück über, war es eine helle Freude, Krisha Dalke als Alfred zu erleben. Er hat die ganze Zeit glänzende Augen, ein beseeltes Lächeln und Strahlen im Gesicht, man sieht ihm einfach an, wie viel Freude es ihm macht, diese Rolle zu singen und zu spielen. Es wirkt fast, als könne er sein Glück immer noch nicht fassen, hier auf dieser Bühne stehen zu dürfen.

Einen kurzen Augenblick später schon kam von Krolock mit einem Donnern durch die Tür geflogen, um die badende Sarah zum Ball einzuladen. Bei diesem Grafen mit seiner tollen Stimme und seiner Gestik, so einer insgesamt verlockenden, machtvollen und charismatischen Ausstrahlung wundert es mich, dass Sarah in ihrem Zuber nicht ohnmächtig wird.

Koukol (Stefan Büdenbender) kam nun durch den Saal geeilt und brachte Sarah das Bündel mit den Tanzstiefeln für den Ball, Alfred und Sarah sangen ihr Duett „Draußen ist Freiheit“, Sarah machte sich auf den Weg zum Schloss, Chagal versuchte sie zurückzuholen und wurde gebissen, worauf sich der Professor freute, dass seine „Thäääääse“ der Wahrheit entspricht. Magda sang zunächst ihr „Tot zu sein ist komisch“ und wurde dann Opfer von Chagal, der Professor und Alfred machten sich zusammen mit Chagal auf den Weg zum Grafen und landeten letztlich…

„Vor dem Schloss“.

Wo und wie die Vampire vor der Szene das Publikum erschrecken, soll eine Überraschung für Erstbesucher bleiben. Soviel aber: Der Anblick ist einfach nur gigantisch wie die ganze Choreographie und Beleuchtung der Szenerie. Es ist unbedingt empfehlenswert, Alfred und den Professor vor dem Schloss stehen zu lassen, sich umzudrehen und die Szene auf sich wirken zu lassen.

Ein äußeres Schlosstor konnte nicht mit lautem Krachen hoch rollen, da es am Tag dieser Vorstellung defekt und auf der Bühne gar nicht vorhanden war. So befand sich hinten in der Mitte der Bühne nur das Tor, das am Ende geschlossen wird, flankiert von ein paar Säulen aus dem Tanzsaal. Es mutete daher schon ein bisschen merkwürdig an, als der Professor und Alfred das „prächtige Anwesen“ bewundern wollten. Seine Exzellenz, der Graf, konnte nicht durchs Tor kommen und stand daher plötzlich majestätisch vor seinem Schloss, als wäre er aus dem Boden gekommen. Was für eine tolle Szene – leider wurde sie, wie einige andere auch, insgesamt gekürzt, meiner Meinung nach hier besonders brutal und für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Die Rolle leben

Wenn Kevin Tarte den Krolock singt, spürt man sofort, dass ihm die Rolle schon lange in Fleisch und Blut übergegangen ist, so dass er sich besonders intensiv mit Feinheiten in seiner Mimik und Gestik befassen kann. Die vielen Kleinigkeiten mit großer Wirkung sind schwer in Worte zu fassen. Bei „Zukunft ist Vergangenheit und Gegenwart ist Fluch“ zum Beispiel hat er den Arm erhoben und deutet mit einem Finger in einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Bewegung nach vorn (Zukunft ist) und hinten (Vergangenheit) – aber immer so, dass es zwar seinen Gesang unterstreicht, aber eben nicht übertrieben ist, sondern gerade noch wahrnehmbar, was insgesamt für einen absolut tollen Eindruck sorgt.

„Von der Krankheit der Traurigkeit kann es keine Erlösung geben…“ Er schaut hier versonnen in den Nachthimmel, macht eine Pause und murmelt dann zu sich selbst „Ja…“ (‚So ist es wohl.‘), lässt dann noch zwei Sekunden vergehen, wendet sich dann erst seinen Besuchern zu, wieder zwei, drei Sekunden keine Bewegung und keinen Ton, bis dann umso plötzlicher dieses gruselige Lachen kommt. Man ist ständig dabei, etwas zu erwarten, das im erwarteten Moment nicht kommt, und wenn man gerade unruhig werden will – in dem Moment wird man von ihm gepackt, was jedes Mal ein überraschtes Erschrecken auslöst. Er ist einfach ein großartiger Schauspieler und ein brillanter Sänger sowieso. Bei „Genial – ich war gefangen“ verzieht er eben nicht den Mund bei „gefangen“, sondern gaukelt zunächst Wahrhaftigkeit vor, um dann aber auf des Professors „Das freut mich, denn bei mir zuhaus’ werd’ ich meist übergangen“ genau diesen überheblichen Gesichtsausdruck folgen zu lassen, den man schon bei „gefangen“ erwartet hatte. Man hört förmlich, obwohl er nichts sagt: ‚Das wundert mich nicht, du Trottel!’ Auch das ist die Kunst eines Kevin Tarte: Ganze Sätze entstehen nur im Kopf des Zuschauers – allein durch seine Augen und seine Mimik.

Wundervoll auch der interessierte Blick auf Alfred bei seiner Vermutung, dass er „gewiss einen Studenten“ vor sich hätte. Mit den Augen und ohne den Kopf zu bewegen, schätzt er Alfred mit einem langsamen Blick von oben nach unten und wieder zurück ab. Sicherlich ist Krisha Dalke in diesem Moment erschauert.

Herrlich auch sein pseudo-rumänisches Kauderwelsch zu Koukol, das er in aller Ruhe zelebriert und regelrecht auskostet, bevor er ihn mit „Muschniggi!“ an die Arbeit jagt, und sein anschließendes Augenrollen, dass er hier (im besten Falle von Herbert abgesehen) anscheinend nur von Trotteln umgeben ist und sich mit so einem Gesindel abgeben muss.

Dann hat der Graf alle dort, wo er sie haben möchte, und schließt das Tor.

Edgar Allan Poe Musical
Foto: Stage Entertainment

Im zweiten Akt, der mit der „Totalen Finsternis“ beginnt, steht der Graf – eine Neuerung der Oberhausener Inszenierung – bereits von Beginn an oben auf der Treppe und beobachtet Sarah, die durch den Tanzsaal läuft. Es ist wunderbar anzusehen, wie er sie mit seinen Augen verfolgt, sich hin und wieder etwas über das Geländer beugt, mal gierig schaut, mal nach ihr schmachtet, bis sein Einsatz kommt und er die Treppe langsam heruntersteigt. Man wusste kaum, was beeindruckender ist: Sein Gesang oder seine Darstellung des drohenden, leidenden, gierigen und beherrschten Vampirgrafen. Als er Sarah am Ende beinahe biss, holte er so kraftvoll aus und riss den Mund so weit auf, dass es schien, als schaffe er es nicht, sich zu beherrschen – und er stoppte gerade so einen Millimeter vor Sarahs Hals.

Dann tanzten die Vampire in Alfreds nächtlichem Alptraum, Alfred sprach sich mit leuchtendem Gesicht und einem toll gesungenen „Für Sarah“ selbst Mut zu und folgte dem Professor in die Gruft. In der Gruftszene wagte das Publikum endlich wieder ein paar verhaltene Lacher – kein Wunder, der Professor hat aber auch alles dafür getan, dass das Publikum reagieren musste. Nun begeistern die Bücher in der Bibliothek den Professor, und Alfred trifft auf Sarah, die wieder ihrer Leidenschaft, dem Baden, frönt, bevor er sich plötzlich wieder in der Bibliothek findet und auf den „Ratgeber für Verliebte“ stößt.

Herbert (Florian Fetterle) lockt ihn mit einem fast opernhaften „ah-ah-ah“ ins Bad und beginnt sein Tänzchen mit dem verwirrten, nervösen und ängstlichen Alfred. Die beiden sind köstlich in der Szene, Herbert singt bei „Du hast einen süßen Popo“ mindestens fünf Ausrufezeichen mit, und auf „…und deine Augen“ fragt Alfred „Ja?“, aber er fragt es nicht, sondern ruft es eher entsetzt: „Ja!“, doch Herbert lässt sich nicht beirren und bezirzt ihn weiter. Alfred reißt sich los und läuft durch den Saal, wo Herbert am Ankunftsort schon mit gespitztem Mündchen wartet und dann sehr hübsch kichert, als Alfred ihn bemerkt: „Ähähihi“.

Nachdem Abronsius ihn vor dem wilden Herbert errettet hat, stehen die beiden auf den Zinnen, fühlen sich „todsicher“ und versuchen, dem Grafen zu drohen. Diesem Grafen zu drohen! – wie verrückt muss man sein. Kevin Tartes Stimme donnerte gewaltig auf die beiden ein – und seine ganze Erscheinung, Mimik und Gestik demonstrierte nur eins: Überlegenheit. Von so hoch oben auf der Bühne wirkt er einfach noch gigantischer, und man duckt sich unwillkürlich in den Theatersessel.

Edgar Allan Poe Musical
Foto: Stage Entertainment

Dann kriechen die Untoten aus ihren Gräbern, um sich in Schloss zum Ball des Jahres zu begeben, zunächst noch beobachtet vom Professor und seinem Assistenten, denen es dann aber offenbar doch zu gefährlich wird, so dass sie besser das Weite suchen. Und dann singt der unglückliche und traurige Graf seine „Unstillbare Gier“. Gerade diese Szene würde ich so gern ausführlich beschreiben, und kann doch keine Worte finden. Einfach unglaublich – sein Gesang, seine Bewegungen, sein schmerzvoller Gesichtsausdruck, die ganze Gestalt drückte tiefes Unglück aus, am Schluss dann seine Prophezeiung in einer Mischung aus innerer Qual und Drohung nach außen – es stockte einem förmlich der Atem. Aus dem Publikum war danach nicht nur Applaus, sondern deutliche Begeisterungsrufe zu hören.

Edgar Allan Poe Musical
Foto: Stage Entertainment

Dann waren wir im Ballsaal angekommen. Die Vampire ebenfalls, und der Professor samt Alfred schlüpften in ihre Verkleidungen und mischten sich unter die Ballgäste. Nun erschien von Krolock auf der Treppe und ließ sich von seinem Vampirvolk huldigen. Erhaben und mit eleganter Präsenz kam er herunter, kündigte seinen ganz besonderen Gast an und bat Sarah, die in freudiger Erwartung oben von der Treppe lächelte, neben sich.

Getanzt wird später

Dann ein Ruck an Sarahs Arm, ein Heranzerren, ihren abwehrenden Arm nach unten gedrückt, ihre Schulter zurückgestoßen, in seinen Augen Begierde und Unglück gleichzeitig, ein weites Ausholen mit dem Kopf, und er schlug seine Zähne in Sarahs Hals. Endlos und doch so schnell vorbei. Nach vollbrachter Tat spiegelte sich in seinem Gesicht eine Mischung aus Überraschung, Schock über seine Tat und Genuss – all das in einer Sekunde. Das Blut spritzte in hohem Bogen wie pulsierend aus seinem Mund und tropfte noch eindrucksvoll auf sein Kragentüchlein. Was für ein Anblick – faszinierend und gleichzeitig schockierend. Eine elegante Tupfbewegung mit seinem spitzenbesetzten Tüchlein, und die Spuren seiner Tat waren nicht mehr zu sehen – nicht mehr in seinem Gesicht, auf dem Kragentuch und an Sarah schon. Das Menuett wurde elegant getanzt, und gegen Ende sorgte ein kleiner Zusammenprall mit Herbert für eine ungehaltene Zurechtweisung: „Herbert!“

Wie sollte es anders sein – der große Spiegel im Ballsaal verriet, dass die Vampire nicht allein unter ihresgleichen waren, und Alfred ging, nicht ganz überzeugend mutig, mit dem Kerzenleuchter auf den Grafen los, der darauf überheblich lachte und sich amüsiert an Herbert wandte: „Ha, ha, hast Du d a s gesehen?“ Dann eine Wendung zu Alfred, eine kleine Pause mit einem durchbohrenden Blick und das plötzliche „Buh!“

Der Rest raste schnell vorbei – das Kreuz aus den Kerzenleuchtern, das Entsetzen des Grafen, das einstürzende Schloss und die Flucht von Abronsius, Alfred und Sarah. Sarahs Verwandlung und ihr Biss in Alfreds Hals. Kaum gebissen, wollte sich Alfred auf der Stelle wie ein Tier auf den Professor stürzen und musste von Sarah zweimal mit aller Kraft zurückgerissen werden.

Schon folgte das grandiose Finale, in das sich schon die Begeisterung des Publikums mischte sowie der Schlussapplaus, in dem das Publikum alles gab. Alle Darsteller bekamen tosenden Beifall. Von insgesamt dreizehn bereits besuchten Vorstellungen von Tanz der Vampire hat sich diese ihren Platz unter meinen persönlichen Top five erobert und wird sie ganz sicher behalten.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke