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Musical Chicago in Berlin

Tanz der Vampire in Oberhausen

Castpräsentation am 29. September 2008, Rheinisches Industriemuseum

Am 29. September zeigte sich in Oberhausen die neue Cast sowie das Kreativteam des Erfolgsmusicals Tanz der Vampire der versammelten Presse. Der Einladung von Stage Entertainment und Roman Polanski war ein Heer an Journalisten, Fotografen und Kamerateams ins Rheinische Industriemuseum gefolgt, um das neue Ensemble und das Kreativteam des „Grusicals“ in Augenschein zu nehmen.

Bevor es an den endgültigen Ort der Präsentation auf dem imposanten Gelände ging, begrüßte Geschäftsführer Jürgen Schröder die Anwesenden im Kesselhaus mit der Information, dass die Proben für Tanz der Vampire erst ab Mitte Oktober an der eigentlichen Spielstätte, dem Metronom Theater, stattfinden können. Noch seien dort die letzten Vorstellungen der Blue Man Group zu sehen, und dann beginne die Umbauphase; jedoch biete die derzeitige Probenheimat alle Voraussetzungen, dass sich die neuen Vampire in den alten Gemäuern des Industriemuseums ausgesprochen wohl fühlen würden.

Roman Polanski in beeindruckender Szenerie

Nach einem kurzen Umzug in die gegenüberliegende abgedunkelte Walzhalle wurde die Präsentation fortgesetzt. In vier jeweils leicht erhöhten Reihen saß die Cast bereit, allesamt in schwarz bzw. schwarz-rot gekleidet, flankiert von großen Fahnen mit dem Vampire-Logo an der Rückwand, über sich ein imposantes Gebiss mit spitzen Eckzähnen, das andeutungsweise bereits mit dem menschlichen Lebenssaft in Kontakt gekommen war.

Imposant war nicht nur die Kulisse, sondern auch die Töne, die zunächst während des Einsingens zu hören waren: Die vierzig Darsteller sangen eine schöne, ruhige und sogar etwas fröhlich anmutende, nicht zum Stück gehörende Melodie, eine Art Klangteppich aus Vokalen, die sie jeweils auf Kommando wechselten.

Dann kündigte Cornelius Baltus, Associate Director und damit nicht zum ersten Mal Polanskis Stellvertreter bei der Regie dieses Stückes, nach einigen begeisterten Worten über das Musical selbst und „seinen Meister“ den weltberühmten Regisseur und Oscar-Preisträger an. Roman Polanski tauchte durch die Menge der Journalisten, platzierte sich vor seiner Cast und begrüßte die anwesende Presse mit einem fast schüchternen „Hello!“. Auf die Frage, was er dachte, nachdem er erfuhr, dass die Vampire nun nach Städten wie Wien, Stuttgart, Hamburg und Berlin in Oberhausen angekommen seien, antwortete er spontan: „Great!“ An Oberhausen habe er sehr schöne Erinnerungen, hätte er doch seinen ersten Preis für einen Film hier entgegengenommen – 1963 bei den Internationalen Kurzfilmtagen. Er freue sich sehr, dass dieses großartige Musical nun hierher käme und hoffe, dass das Publikum es lieben wird.

Die einzelnen Castmitglieder stellen sich vor

Insgesamt entstand der Eindruck einer sehr guten Mischung aus bekannten, vampirtanz-erfahrenen Ensemblemitgliedern, aber auch vielen für das deutsche Publikum neuen Sängern und Tänzern, von denen einige bereits auf nicht deutschsprachigen Bühnen in diesem Musical mitgewirkt hatten. Neben bekannten und bewährten Darstellern wie Kevin Tarte, Gernot Kranner, Jerzy Jeszke und Stefan Büdenbender erhält nun Jan Ammann die Chance und Aufgabe, sich in der Rolle des Grafen von Krolock zu beweisen. Eine Überraschung in der Cast ist sicherlich die junge Estin Nele-Liis Vaiksoo als „Sarah“. Sie ist dem deutschen Publikum bisher zwar nicht bekannt, sang diese Rolle jedoch bereits vor fast genau acht Jahren in der estnischen Produktion.

Auch die Besetzung des Vampirjäger-Assistenten Alfred überraschte mit Krisha Dalke, dessen Engagement bei „Elisabeth“ am Theater des Westens Berlin erst zwei Tage zuvor mit einer grandiosen Dernière geendet hatte.

Am Rande der Präsentation erzählte er, dass das Ensemble die Fanaktionen bei der Elisabeth-Dernière selbstverständlich bemerkt und sich sehr darüber gefreut hatte. Da die Dramatik dieses Stückes – von passendem Szenenapplaus abgesehen – nicht durch lautstarke Äußerungen des Publikums zerstört werden sollte, hatten sich die Fans etwas anderes einfallen lassen: die geräuschlose Spiegelung von Szenerien mittels diverser Accessoires. In der Kaffeehaus-Szene wurden im Publikum ebenso Zeitungen geschwenkt wie auf der Bühne, bei der Krönungsszene in Buda winkten die Fans zeitgleich im Takt mit weißen Tüchern und setzten sich die goldenen Papp-Kronen einer Fastfood-Kette auf den Kopf, bei der Totenklage beispielsweise tauchten vorn in Publikum ebenso wie auf der hinteren Bühne langsam kleine Trauerlichter aus dem Dunkel.

Erste Gesangsproben der neuen Vampire

Zurück zu den Vampiren. Polanski schien mit dem ersten Eindruck von seiner Besetzung zufrieden und fragte nach einer halben Umdrehung und Blick in die Gesichter der Cast scherzhaft, ob diese tollen Menschen auch singen könnten. Somit begleitete die bekannte Pianistin Marina Kommissartchik am Klavier das Ensemble durch die „Ewigkeit“. Es klang schon recht bühnenreif, was da zu hören war, und einige erfahrene Ensemblemitglieder, insbesondere Eva Maria Bender, stachen durch nahezu perfekte Mimik und Gestik hervor.

Spannend war, die „Totale Finsternis“ im Duett von Jan Ammann und Nele-Liis Vaiksoo zu hören und zu sehen. Es klang sehr neu und ungewohnt für durch Stuttgart, Hamburg sowie Berlin geprägte Ohren. Vor dem Hintergrund, dass die neue „Sarah“ bisher (noch) kein Deutsch spricht, sang sie den Text bis auf einige Passagen, in denen ihr Akzent deutlich hervortrat, schon anerkennenswert gut. Auch Jan Ammann konnte man sich ungefähr als dunkel-geheimnisvollen und innerlich zerrissenen Grafen von Krolock auf der Bühne vorstellen.

Vor dem abschließenden Fototermin sprach der Choreograph Dennis Callahan noch kurz darüber, dass er sich darauf freut, mit diesem tollen Ensemble zu arbeiten. Dann stimmte die neue „Rebecca“ Heike Schmitz mit ihren Kolleginnen und Kollegen den „Prayer“ an. Das eine oder andere Castmitglied erinnerte sich dabei ganz sicher an die grandiose Dernière im März in Berlin, war es doch das letzte Lied, das im Theater des Westens während der Vampire-Spielzeit erklang – mit abgeändertem Text vom gesamten Publikum aus vollstem Herzen für die Berliner Cast gesungen.

Nun wird Oberhausen die alten und neuen Vampire wohl nicht weniger herzlich begrüßen, wenn Transsylvanien ab 7. November im Metronom-Theater mit Wirtshaus, Sargwand und dem „prächtigen Anwesen“ des Grafen von Krolock wieder aufersteht. Mit der vorgestellten, international besetzten Cast und dem renommierten Kreativteam hat „Tanz der Vampire“ alle Voraussetzungen für eine ebenso erfolgreiche Spielzeit wie an den Spielorten zuvor.

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Autor des Artikels: Susanne Gröschke