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Musical Chicago in Berlin

Udo L. – Musical aus Ostberlin (2011)

Hinterm Horizont – Termine und Tickets hier

Für Überraschung sorgte in der Musicalszene die Ankündigung des Berliner Theaters am Potsdamer Platz, das Musical „Hinterm Horizont“ auf die Bühne zu bringen.

Bietet Udo Lindenberg genügend Material, um ein komplettes Musical zu füllen? Und wenn ja, kommt das Musical, 20 Jahre nach der deutschen Einheit, nicht viel zu spät? Zwei Fragen, wir suchen nach Antworten…

30 Jahre Rock-Revue

Die großen Bühnen mit viel Show und Theater waren von Anfang an eine Vorliebe Udo Lindenbergs. Sie erlebte ihre Höhepunkte in den viel besprochenen und legendären Bühnenshows „Rock Revue“ (1978) und vor allem „Dröhnland-Symphonie“ (1979) und wurde später in den Tourneen „Heizer“ (1980), „Udopia“ (1981), „Odyssee“ (1982) und „Götterhämmerung“ (1983) fortgesetzt.

1988 machte Lindenberg mit seinem Album „Hermine“ auf sich aufmerksam, das einige Chansons von 1929 und später beinhaltet. In einem grandiosen Showblock mit Panikorchester, Panik-Big-Band und Gästen stellte er in seiner darauffolgenden „Feuerland-Revue“ Lieder wie „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“, „Frau Schmitz“, „Hermine“ und „Bel Ami“ vor.

In den 90ern folgten Projekte wie das Album „Gustav“ (1992), als Nachfolgealbum von „Hermine“ und der Produktion von „Belcanto“ (1997), einer CD mit dem Filmorchester Babelsberg sowie einer gemeinsamen Theater-Tournee (u.a. Deutsche Oper Berlin) durch Deutschland.

Nicht weniger ambitioniert war das Projekt „Atlantic Affairs“ (2002), in dem sich der Sänger erneut des Themas Immigranten und ihrer Musik in den 20er und 30er Jahren annahm. Die Show wurde an mehreren Theatern im In- und Ausland aufgeführt und auch verfilmt.

Mit einem großen Knall meldete sich Lindenberg 2008 zurück. Seine CD „Stark wie Zwei“ kletterte auf den ersten Platz der Charts und seine anschließende Tournee erinnerte an beste Zeiten.

Lindenberg, dessen Songs oft kleine Geschichten sind, brachte von Anfang an Bilder und Figuren auf der Bühne, um den Inhalten zusätzlichen Ausdruck zu verleihen. Erinnert sei an „Hoch im Norden“, „Nichts haut einen Seemann um“ und „Jonny Controlletti“ aus den Anfangsjahren, „Grande Finale“, „In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm“ und „Mein Onkel Joe“ aus den frühen 80ern bis hin zu „Der Astronaut muss weiter“ und „Woddy Woddy Wodka“ vom aktuellen Album „Stark wie Zwei“ (2008).

Von 1971 bis heute hat Udo Lindenberg um die 40 Alben veröffentlicht. In unzähligen Konzerten, Shows und Revuen bewies er, dass weit über 100 seiner Songs bühnentauglich sind. Sein Repertoire reicht von traumhaft schönen Balladen wie „Bis ans Ende der Welt“ und „Ein Kommen und Gehen“ bis hin zu ganz großen Nummern wie „Alles klar auf der Andrea Doria“, „Rock ’n‘ Roller“ und „Odyssee“.

Es liegt nun am Produktionsteam, aus diesem Material ein Musical zu formen. Stage Entertainment produziert das Musical „Hinterm Horizont“ in Zusammenarbeit mit Ulrich Waller und Thomas Collien (St. Pauli-Theater Hamburg). Das Buch stammt von Thomas Brussig („Sonnenallee“), Regie führt Ulrich Waller.

Hinterm Horizont – ein historisches Musical?

Spannend ist die Frage, ob es gelingt, ein Musical mit historischem Stoff auf die Bühne zu bringen, das zeitlich sehr nah am Ereignis liegt. Es spricht einiges dafür, dass das „Wende-Musical“ nicht zu spät, sondern zu eher früh kommt.

Musicals über große historische Ereignisse haben meistens eine Distanz von einigen Jahrzehnten bis zu Jahrhunderten gehalten. Genannt seien „Cabaret“, „Elisabeth“, „Evita“, „Anatevka“, „Jesus Christ Superstar“, „Les Misérables“ und „Miss Saigon“. Die Inhalte dieser Werke sind zu Symbolen geworden und lassen Gleichnisse zu, durch die ein Theaterstück für den Zuschauer glaubhaft wird.

Diese Distanz gibt es zum Zeitraum 1972 bis 1989 nicht. Themen wie Stasi und Mauer sind nahezu tagesaktuell und man muss damit rechnen, dass die üblichen Verdächtigen „Hinterm Horizont“ heftig kritisieren, weil die „DDR-Diktatur verharmlost“ werde.

Das Musical wird sicher nicht funktionieren, wenn auch nur ansatzweise der Versuch unternommen wird, Geschichtsunterricht in Sachen Vergangenheitsbewältigung zu geben und wenn besonders auch in Ausstattung und Bühnenbild allzu viel Plakatives auf die Bühne gebracht wird.

„Hinterm Horizont“ kann ein ganz großes Musical werden, wenn in den Songs und den Dialogen über die Menschen, über ihre Sehnsüchte und Lieben in beiden Teilen Deutschlands in den 70er und 80er erzählt wird und wenn für alle Beteiligten, egal ob der Sänger aus Gronau, das Mädchen aus Ost-Berlin oder die Grenzer auf dem Turm, der Mauerfall, historisch gesehen, ein Tag der Freude und des Glücks war.

Oder wie Udo Lindenberg 2004 in seinem Song „Damals in der DDR“ sang:

Im November Neunundachtzig dann,
Die schönste Party der Welt begann…

„Hinterm Horizont“ wird am Berliner Theater am Potsdamer Platz, das 1.700 Sitzplätze umfasst, voraussichtlich mindestens ein Jahr lang mit acht Vorstellungen pro Woche aufgeführt.

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Autor des Artikels: admin-frank