Vampirfilm Wir sind die Nacht Kinostart 28.10.2010

©Constantin Film
Am 28. Oktober 2010 startet in den deutschen Kinos die packende Geschichte einer ungewöhnlichen Vampir-Clique, die nach ihren eigenen Gesetzen lebt, feiert und mordet. In den Hauptrollen spielen Nina Hoss, Karoline Herfurth, Jennifer Ulrich, Anna Fischer, Max Riemelt und Arved Birnbaum.
Gedreht wurde von Oktober bis Dezember 2009 in Berlin. Regie führte Dennis Gansel, der zusammen mit Jan Berger auch das Drehbuch schrieb. Der Streifen startet im Verleih der Constantin Film.
Autor und Regisseur Dennis Gansel: „In den letzten Jahren wurde der Vampirfilm stark romantisiert. Wir machen Schluss damit und bringen das Genre wieder zu seinen Ursprüngen zurück. „Wir sind die Nacht“ ist so, wie ich mir einen Vampirfilm vorstelle: sexy, schnell und voller Action.“
Ausführliche Hintergrundinformationen zu „Wir sind die Nacht“
Zum Inhalt:
Die 20-jährige Berlinerin Lena (Karoline Herfurth) hält sich durch kleinere Diebstähle über Wasser. Beim nächtlichen Beutezug durch einen illegalen Club trifft sie auf die jahrhundertealte Louise (Nina Hoss). Die mondäne Erscheinung ist die Besitzerin des Clubs und zugleich die Anführerin eines weiblichen Vampir-Trios, dem auch die elegante Charlotte (Jennifer Ulrich) und die abgedrehte Nora (Anna Fischer) angehören.
Louise verliebt sich in die verwahrloste Lena und beißt sie in der ersten gemeinsamen Nacht. Fortan erfährt Lena den Fluch und Segen ihres neuen, ewigen Lebens. Sie genießt den Luxus, die Partys, die grenzenlose Freiheit, doch schon bald machen ihr der Blutdurst und die Mordlust ihrer neuen Freundinnen zu schaffen. Als sich auch noch die Berliner Polizei an die Fersen der Frauen heftet und Lena ihre Gefühle für den ermittelnden Kommissar Tom Serner (Max Riemelt) entdeckt, geraten die Ereignisse völlig außer Kontrolle.
Die Charaktere und ihre Darsteller:
Regisseur Dennis Gansel beschreibt Nina Hoss in der Rolle der „Louise“: „Sie hat diese Grandezza, dieses Geheimnisvolles, sie kann glaubhaft die kühle Brutalität der Anführerin einer Vampir-Clique darstellen.“ Nina Hoss selbst sieht in Louise einen erfreulich vielschichtigen Charakter: „Sie entscheidet, wer zur Familie dazugebissen wird. Sie hat die anderen Mädels in der Hand. Louise ist aber nicht einfach nur böse, sie hat durchaus ihre verletzliche Seite. Sie ist ermüdet vom Dasein, das sie seit fast 250 Jahren führt. Die Jahre vergehen, die Welt um sie herum verändert sich, aber sie bleibt immer dieselbe Person. In dieser langen Zeit hat sie auch jegliche Skrupel verloren. Sie kann nur überleben, indem sie andere Menschen umbringt, sie aussaugt, von ihnen zehrt. Das gehört für sie dazu. Die Gewissensbisse, die zum Beispiel Lena plagen, fehlen ihr völlig.“
Karoline Herfurth schätzt an ihrer Rolle vor allem den großen inneren Konflikt: „Für Lena ist das Vampirsein kein Segen, sondern ein Fluch. Sie wird nach Louises erstem Biss zum Vampir und muss fortan Menschen töten, um weiterleben zu können. Das widerspricht ihrem großen Gerechtigkeitssinn. Sie möchte niemandem wehtun.“ Autor Jan Berger ergänzt: „Sie ist zuerst eine rotzige Punk-Göre aus asozialen Verhältnissen, steigt nach Louises Biss aber in die Luxuswelt mit teuren Kleidern, tollen Partys und eigenem Lamborghini auf.“
Jennifer Ulrich hatte bereits in „Die Welle“ unter der Regie von Dennis Gansel gespielt. In „Wir sind die Nacht“ verkörpert sie die rationale, zurückhaltende “Charlotte”.
Anna Fischer komplettiert das Vampir-Quartett und spielt „Nora“, die in den frühen 90er Jahren auf der Love Parade von Louise gebissen wurde. „Anna Fischer ist perfekt als quirliges Partygirl“, sagt Produzent Christian Becker. „Sie ist jung, aufgeweckt und voller Energie.“
Die männliche Hauptrolle des Polizisten Tom Serner besetzte Dennis Gansel mit Max Riemelt. Für noch mehr Normalität steht Toms älterer Polizeikollege Lummer. Er wird von Arved Birnbaum gespielt.
Die Kostüme:
„Ein Genre wie der Vampirfilm ist generell ein Geschenk für mich“, sagt Kostümbildnerin Anne Winckler. „In diesem Fall kam noch die Besonderheit hinzu, dass die Epoche, in der die jeweilige Frau zur Vampirin gebissen wurde, anhand ihrer Garderobe erkennbar sein sollte. Wir konnten die Mode der einzelnen Epochen aber nicht eins zu eins übernehmen, sondern mussten bestimmende Elemente auf die heute erhältliche Mode übertragen – ansonsten könnte der Zuschauer nicht nachvollziehen, warum die Vampirinnen zum Luxus-Shoppen nach Paris fliegen oder nachts im Berliner Kaufhaus unterwegs sind. Dort müssen sie ja schließlich Kleider der aktuellen Designer einkaufen.“
Weil „Louise“ seit dem 18. Jahrhundert durch die Welt reist und viele Künstler getroffen hat, ist ihr Stil von dunklen Farben und leicht morbiden Elementen geprägt. „Charlotte“ ist der Stummfilm-Ära der 20er Jahre verhaftet und trägt vorzugsweise schwarze Kostüme mit Fransen, Perlen und Pailletten. „Noras“ bunte Farben bilden einen krassen Gegensatz. Die flippige Mode der Love Parade aus den frühen 90er Jahren hat sie bis heute beibehalten.
Jede Vampirin brauchte bis zu zwölf verschiedene Kostüme. Die suchte und fand Anne Winckler in Vintage-Läden, auf Flohmärkten und im Kostümfundus. Vieles wurde aber auch individuell angefertigt. Die Kostüme mussten nicht nur gut aussehen, sondern auch praktisch sein, weil das Drehbuch viele Actionszenen vorgab. Außerdem wurden viele Kleider bei den Dreharbeiten beschädigt und mit Blut verschmiert, sodass die meisten Kostüme in mehreren Ausführungen benötigt wurden.
Die Maske:
Vom Make-up hatte Maskenbildner Georg Korpás von vornherein eine klare Vorstellung: „Ich wollte auf keinen Fall den blassen Leichen-Look der 70er Jahre. Unsere Vampirinnen sind sexy, stark und schön, die Männer verfallen ihnen.“ Für schöne Augen bei den untoten Frauen sorgten Kontaktlinsen. Bei Erregung der Vampirinnen entsteht ein feuerroter Rand um ihre Pupillen. „Die eigene Augenfarbe sollte nur ein bisschen intensiviert werden“, so Korpás. „Wenn wir die ganze Pupille mit Kontaktlinsen abgedeckt hätten, wäre das schnell in den Bereich Fantasy und Horror abgedriftet.“ Schließlich kommt kein Vampirfilm ohne Kunstblut und spitze Eckzähne aus. Letztere erscheinen im Film immer dann, wenn die Vampirinnen Blut wittern und erregt sind.
Die Drehorte:
Gedreht wurde an faszinierenden Berliner Schauplätzen wie dem Teufelsberg, dem Plänterwald, dem Tiergartentunnel und dem Stadtbad Lichtenberg sowie in der Freizeitparkanlage Tropical Island.
Eine zentrale Rolle im Film spielt der Club, den die Vampirinnen Louise, Charlotte und Nora betreiben. Inspiriert durch die Atmosphäre des legendären Techno-Clubs Tresor, richtete Setdesigner Matthias Müsse den Club im denkmalgeschützten, seit 1991 leerstehenden Stadtbad Lichtenberg ein. Im 25 Meter langen wasserlosen Hauptbecken entstand für den Film die Tanzfläche, die sich vom 50 Zentimeter tiefen Nichtschwimmer-Bereich bis zur zweieinhalb Meter tiefen Schwimmerzone neigte. Über der Tanzfläche schwebte ein riesiger Leuchtballon mit Mondkratern, auf dem Sprungturm standen acht riesige Boxen, aus denen die Rhythmen schallten, die Anna Fischer als „DJ Nora“ auflegte und zu denen 400 Komparsen im Hauptbecken tanzten.
Alle Außenaufnahmen des Clubs entstanden im ebenfalls stillgelegten Vergnügungspark Plänterwald. In der Nacht und durch den Einsatz von künstlichen Nebelschwaden bot der überwucherte, marode Park eine bedrohlich wirkende Filmkulisse für „Lenas“ nächtlichen Beutezug.
Weil Tageslicht jede Vampirin sofort zu Staub zerfallen lässt, brauchten die untoten Damen spezielle Wohnmöglichkeiten mit abgedunkelten Fenstern. Die Wahl fiel auf das ebenfalls leerstehende Haus Cumberland am Kurfürstendamm. Matthias Müsse: „Sie nehmen die Räume einer ganzen Etage in Beschlag, haben alle Fenster mit schweren Vorhängen verdunkelt, lagern Blutreserven in der Minibar und schlafen in Himmelbetten, die durch weitere schwere Vorhänge wie Kokons aussehen.“ Eine passende Lobby, in der „Lena“ nach ihrer Verwandlung vom Straßenkind zur Vampirin erstmals die lange Treppe herabschreitet, war im Haus Cumberland nicht zu finden. Deshalb nutzte das Team für einen Tag das Foyer des Landgerichts Mitte als „Lobby“-Kulisse.
Das luxuriöse Nacht-Shopping der vier Vampirinnen wurde in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz in Szene gesetzt. „Hier haben wir die langen Korridore und die langen Rolltreppen gefunden, die wir es uns gewünscht hatten“, sagt der Setdesigner. Für das Filmteam erfüllte sich auch ein typischer Kindheitstraum, eine ganze Nacht lang im Kaufhaus eingeschlossen zu sein. „Von 19 Uhr bis 6 Uhr gehörte der komplette Laden uns“, so der Produzent Christian Becker. Auch Matthias Müsse bestätigt: „Nachts im Kaufhaus zu drehen, ist ein irres Gefühl.“
Einen krassen Gegensatz zum Prunk des Kaufhauses, des Hotels und des Partyclubs sollte „Lenas“ Wohnung in einem der sozialen Brennpunkte Berlins darstellen. Dafür wurde das Team in Schöneberg fündig. Gedreht wurde im zwölfstöckigen Sozialbau „Palasseum“, 1977 erbaut.
„Lenas“ Beuterevier verlegte Regisseur Dennis Gansel an den Bahnhof Zoo. Der schmuddelige Russenpuff, in dem „Louise“ der undankbaren Neu-Vampirin Lena die Härten des Lebens zeigt, entstand in den Abbruchhäusern des ehemaligen DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide.
Gedreht wurde auch im Tropical Island, einem konstant 26 Grad Celsius warmen Freizeitpark in einer ehemaligen Luftschiffhalle nahe Berlin. Die Idee, dass die tageslichtscheuen Vampirinnen im Bikini die künstliche Sonne genießen, steuerte Autor Jan Berger zum Drehbuch bei. Zwei Nächte lang drehte das Team bei 64 Prozent Luftfeuchtigkeit in einem abgesperrten Bereich des künstlichen Südseestrands. Ein Teil des hellen Sandes musste nach den Dreharbeiten ausgetauscht werden, weil zuviel Kunstblut geflossen war. „Ich sah hinterher aus, als hätte ich ein Schwein geschlachtet“, verrät Effektspezialist Dirk Lange.
Im Tiergartentunnel am Hauptbahnhof drehte das Team im Dezember 2009 in tiefster Nacht bei laufendem Verkehr – nur einzelne Abschnitte wurden zeitweise gesperrt. So mussten die Darstellerinnen und die Stuntfahrer die teuren Autos der Vampirinnen besonders vorsichtig lenken: „Louise“ fährt einen goldenen Porsche Panamera, „Charlotte“ einen schwarzen Jaguar, „Nora“ einen Pontiac mit auffälliger Flammenbemalung, „Lena“ einen weißen Lamborghini.
Der Showdown des Films wurde auf dem Teufelsberg gedreht. Der Berg ist 115 Meter hoch und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern von 15000 zerbombten Berliner Gebäuden errichtet. Darauf baute die US-Armee im Kalten Krieg eine Abhöranlage mit fünf riesigen Antennenkuppeln. Die moderne Ruine mit erstklassigem Panoramablick auf den Grunewald ist im Film der letzte Rückzugs-Ort der Vampirinnen.
Die Nachbearbeitung:
Nach der letzten Klappe arbeiten Alex Lemke und sein Team noch bis Ende Juli an den digitalen Effekten. Kulissen werden künstlich erweitert, Drahtseile entfernt und die Gesetze der Schwerkraft gebrochen. „Ein normaler deutscher Kinofilm hat heute 20 bis 30 digitale Effekte – wir haben ca. 300“, sagt Alex Lemke. Dazu gehören auch solche, die einer uralten Vampir-Legende geschuldet sind: Untote haben kein Spiegelbild! „Wir haben erst im Laufe der Dreharbeiten gemerkt, worin man sich überall spiegeln kann“, bedauert Setdesigner Matthias Müsse und präsentiert einen Auszug aus der langen Liste: „Fenster, Fußbodenbeläge, Marmorböden, Autolack, Messingschienen, Glasvitrinen – nahezu alles reflektiert.“ Jedes einzelne dieser unerwünschten Spiegelbilder muss noch aus dem Filmmaterial eliminiert werden, bevor der Streifen am 28. Oktober 2010 in die deutschen Kinos kommt.
Autor des Artikels: Susanne Gröschke

